Bush: "Ich vertraue ihm"

US-Präsident George W. Bush und sein russischer Kollege Wladimir Putin haben bei ihrem ersten Gipfeltreffen die Grundlage für einen Neubeginn der Beziehungen ihrer Länder gelegt. Das unterstrichen die beiden Staatschefs am Samstag nach über zweistündigen Gesprächen auf Schloss Brdo bei Kranj in Slowenien.
Über die weiter umstrittenen amerikanischen Raketenabwehrpläne sollen enge Konsultationen der Außen- und Verteidigungsminister stattfinden. Bush nannte das Treffen einen ersten Schritt zu konstruktiven Beziehungen.
Es sei eine gute Begegnung mit einem offenen Meinungsaustausch gewesen. Er habe mit Putin einen umfassenden Dialog vereinbart. Bush nannte Putin einen "sehr direkten und vertrauenswürdigen" Mann. "Ich vertraue ihm", meinte er. Auch Putin hob die Offenheit und Qualität der Begegnung sowie den vertrauensvollen Dialog hervor. "Ich denke, wir haben eine gute Basis für den Bau eines konstruktiven Verhältnisses gefunden", sagte der Kremlchef. "Dieser Gipfel hat alle meine Erwartungen übertroffen."
Keine Krise zwischen den USA und Russland
Er hoffe, dass nunmehr alle Spekulationen über eine Krise in den Beziehungen zwischen Washington und Moskau beendet seien. Die beiden Staaten seien keine Feinde und könnten gute Partner sein. "Und bei uns liegt die große Verantwortung, die Welt zu erhalten und eine neue Architektur der Sicherheit zu schaffen", sagte Putin. "Wenn wir zusammenarbeiten, können wir die Welt zu einem Ort mit mehr Sicherheit und Wohlstand machen", fügte Bush hinzu.
Weitere Gespräche über Raketenabwehr-System
Die Außen- und Verteidigungsminister der USA und Russlands sollten künftig enge Konsultationen über die amerikanischen Raketenabwehrpläne führen, erklärte Bush. Der Dialog solle so schnell wie möglich beginnen, sagte US-Außenminister Colin Powell nach dem Gipfeltreffen. Ein Termin stehe aber noch nicht fest.
"Unsere Position ist hier sehr klar", erneuerte Putin die ablehnende Haltung Moskaus zu den Raketenabwehrplänen. "Der ABM-Vertrag von 1972 (zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen) ist ein Stützpfeiler der Architektur der internationalen Sicherheit." Nach Putins Worten gibt es jedoch nicht näher erklärte "gemeinsame Elemente" Russlands und der USA, um potenzielle Bedrohungen zu erörtern. Die Minister würden zudem eine Reihe "konkreter Projekte" angehen, die er vorerst nicht öffentlich darlegen wollte.
Nächstes Treffen im Herbst
Putin nahm eine Einladung zu einem Besuch in den USA im Herbst an. Bush lud ihn auf seine Ranch bei Waco in seinem Heimatstaat Texas ein. "Wenn ich ihm nicht vertrauen würde, hätte ich ihn nicht dorthin eingeladen", sagte Bush. Der US-Präsident akzeptierte eine Einladung nach Moskau, wo ihn Putin auch in seiner Datscha empfangen will.
Gipfeltreffen mit Zeitübertretung
Bush und Putin sahen sich eine Stunde und 40 Minuten lang nur im Beisein ihrer engsten Berater. Das war 70 Minuten länger als ursprünglich vorgesehen. ursprünglich vorgesehen. Danach begaben sie sich ohne Dolmetscher auf einen kurzen Spaziergang im Schlosspark. Vor ihrem Treffen waren Putin und Bush auf Brdo getrennt mit dem slowenischen Präsidenten Milan Kucan und Regierungschef Janez Drnovsek zusammengekommen. Dabei wurden in erster Linie die bilateralen Beziehungen Sloweniens mit den USA und Russland erörtert. Slowenien, eine ehemalige Teilrepublik des früheren Jugoslawiens, feiert in wenigen Tagen den zehnten Jahrestag der Unabhängigkeit.
Positive Bilanz der Europa-Reise von Präsident Bush
Bush zog unterdessen eine positive Bilanz seiner fünftägigen Europa-Reise. Er habe während seines Besuchs in Europa die selbst gesetzten Ziele erreicht, sagte Bush gegenüber der Nachrichtenagntur Reuters. Er habe Europa versichert, dass die USA ein starker Verbündeter blieben, auf die Erweiterung der NATO gedrängt und für die US-Pläne zur Errichtung eines Raketenabwehrsystems geworben.
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