Michael Portillo will britische Tories aus Krise führen

Michael Portillo hat sich viel vorgenommen: Nach zwei historischen Wahlschlappen für die Konservativen in Folge will der frühere britische Verteidigungsminister antreten, seine Partei aus dem tiefen Tal der Tränen zu führen.
Nicht nur für die britischen Buchmacher ist der 48-jährige Sohn spanischer Einwanderer der heißeste Anwärter auf die Nachfolge des glück- und farblosen William Hague. Der angestrebte neue Job gleicht einer Herkules-Aufgabe: Der neue Chef der Tories muss Millionen an die Labour-Partei verlorene Wähler zurückgewinnen und dem verstaubten Image der Partei wieder neuen Glanz verpassen. Dabei hat er die schwierige Aufgabe, die altgedienten konservativen Hardliner mit liberaleren Ansichten der jüngeren Generationen zu versöhnen.
Portillo wäre für die Tories nach den beiden farblosen Parteichefs John Major und William Hague wieder ein charismatischer und fernsehtauglicher Gegenpart zum populären Premierminister Tony Blair. Mit 48 Jahren ist der Karrierepolitiker nicht nur genauso alt wie Blair; wie der Labour-Parteichef sucht er die Öffentlichkeit, um seine politischen Botschaften unter die Leute zu bringen. Der aus konservativem Hause stammende Blair trat der traditionellen Arbeiterpartei bei - Portillo, Sohn eines sozialistischen spanischen Einwanderers - fand seine politische Heimat bei den Konservativen. Nun will Portillo antreten, seine desolate Partei mit einem radikalen Modernisierungskurs wieder auf die Erfolgsspur zu führen. Dabei bewegt er sich wie Blair von traditionellen Parteipositionen in Richtung Mitte.
Bis Mai 1997, als ein bis dahin unbekannter Labour-Kandidat ihm bei der Wahl überraschend seine Wahlkreis abluchste, verlief Portillos politische Karriere reibungslos: Der Cambridge-Absolvent wurde nach seinem Beitritt zur konservativen Partei rasch als politischer Überflieger erkannt. Mit 31 Jahren saß er bereits im Parlament. Unter der Regierung von John Major wurde der Zögling der früheren Premierministerin Margaret Thatcher nacheinander Erziehungs-, Arbeits- und Verteidigungsminister und galt als Aushängeschild der konservativen Hardliner der Partei. Sein steiler Aufstieg brachte ihm auch parteiintern den Vorwurf der Arroganz und des Opportunismus ein. Seine Wahlniederlage vor vier Jahren, die seine Karriere jäh ausbremste, versetzte Portillo dann "einen fürchterlichen Schlag", wie er selbst bekannte.
Seitdem schlägt der einstige Hardliner der Konservativen, der mit Kensington und Chelsea den reichsten Wahlkreis Großbritanniens im Parlament vertritt, gemäßigtere Töne an: Er will der Partei "ein menschliches Gesicht" geben. Die radikale Privatisierung der Eisenbahnen bezeichnet er als "Fehler", und dass das marode Gesundheitssystem dringend mehr Geld braucht, bestreitet er nicht mehr. Freimütig bekennt der Ehemann ohne Kinder sich zu "homosexuellen Erfahrungen" seiner Jugend. Seit zwei Jahren schärft er seinen konservativen Parteifreunden eine liberalere Weltsicht ein. Die Tories müssten "die Welt in all ihrer Vielfalt" akzeptieren.
In Europa-Fragen vertritt Portillo ebenfalls einen gemäßigteren Kurs als viele seiner Parteikollegen. Den Euro lehnt er zwar ab, jedoch nicht in der radikalen Form der Euroskeptiker, in deren Augen alle Übel vom europäischen Kontinent herüberschwappen. Viele unter Major und Hague frustrierte Parteimitglieder sehen in Portillo eine neue Führungsfigur, die die Partei aus der Krise führen kann. Ein prominentes Tory-Mitglied hat Portillo seinen politischen Sinneswandel jedoch nicht verziehen: "Er ist sehr konfus geworden", äußerte sich die "Eiserne Lady" Margaret Thatcher kürzlich über ihren politischen Ziehsohn.
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