Mittwoch, 6. Juni 2001

Crashtests Detailmängel bei Familienautos

Gut 400.000 Schilling werden für ein Auto der Mittelklasse ausgegeben, der Käufer erwartet sich dafür einiges an Leistung und Komfort. Dass auch die Sicherheit in dieser Klasse nicht zu kurz kommt, zeigen die Ergebnisse eines Crashtests. Die Ergebnisse wurden vom ÖAMTC päsentiert.

Beim European New Car Assessment Programme (EuroNCAP) müssen die Fahrzeuge Front- und Seitencrash überstehen, eigene Kriterien sind Kinder- und Fußgängersicherheit. Beim Frontalaufprall wird das Auto mit 64 km/h und einer Überdeckung von 40 Prozent an der Fahrerseite gegen eine verformbare Barriere geknallt. Um einen Seitenaufprall zu simulieren, wird ein Schlitten mit 50 km/h gegen die Lenkerseite gefahren. Der "Pole-Test" dient der Überprüfung der Kopfsicherheit, das Auto wird mit einer Geschwindigkeit von etwa 30 km/h seitlich gegen eine Stahlsäule geschleudert. Hunderte elektronische Messdaten geben die Basis für die Benotung, fünf Sterne sind das Maximum.

Laguna vor A4
Das Highlight in der Mittelklasse sei unverändert der Renault Laguna, so der ÖAMTC, gefolgt vom Audi A4, der den fünften Stern haarscharf verfehlte. Neu im Test waren Mercedes C, Mitsubishi Carisma, Rover 75 und VW Passat. Der Sicherheitsstandard sei generell hoch gewesen. "Beim Frontcrash gibt es zwar noch einige Detailmängel, im Seitencrash können die Fahrzeuge aber durchwegs mit Bestnoten aufwarten", erläuterte ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang die Ergebnisse. Den fünften Stern knapp verfehlt habe der Mercedes C, so die Testresultate. Das Fahrzeug sei sehr steif, dadurch werde der Oberkörper des Fahrers einem ziemlich hohen Druck ausgesetzt. Beine und Füße wären optimal gesichert. Brust-, Bauch- und Beckenbereich wären durch Seiten-Airbags gut geschützt, der Vorhang-Airbag habe sich aber nicht voll entfaltet, das kostete Punkteabzug.

Weil der Airbag nicht verhinderte, dass der Kopf des Fahrers das Lenkrad berührt, erhielt der Mitsubishi Carisma nur drei Sterne. Die Verkleidung der Lenksäule biete keinen ausreichenden Schutz, auch der Kniebereich des Beifahrers sei gefährdet, so der ÖAMTC. Die Ergebnisse des Seitencrashs seien nur mit Vorbehalt gültig, weil der Wagen ohne den in Österreich serienmäßigen Seitenairbag getestet wurde. Der Rover 75 in einer rechtsgesteuerten Version lag ohne den nur gegen Aufpreis erhältlichen Kopf-Airbag gleichauf mit dem Audi A4, so der Club. Im Frontaufprall traten höhere Brustbelastungen für den Fahrer auf. Der Kniebereich sei besonders gut konstruiert und hätte keine harte Stellen, die zu Verletzungen führen könnten. Im Seitencrash erreichte er die maximale Punkteanzahl. Den Pfahltest absolvierte der Rover mit Kopf-Airbag mit Bravour. In dieser Ausstattung verfehlt er den fünften Stern nur um einen Punkt. Der VW Passat erwies sich nach Angaben der Tester als sicheres Auto mit stabiler Fahrgastzelle, er erhielt vier Sterne. Beim Frontalaufprall berührte die Brust des Dummy das Lenkrad, abgesehen davon böten die Rückhaltesysteme guten Schutz. Risikostellen gebe es unterm Armaturenbrett. Hervorragend sei das Abschneiden im Seiten- und Pfahltest mit Kopf-Airbag, den es aber nur gegen Aufpreis gibt.

Wie schon bei den bisherigen Crashtests hätten sich die Testkandidaten beim Aufprall eines Fußgängers auf die Fahrzeugfront äußerst "unnachgiebig" gezeigt, kritisierte der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Anlass zur Hoffnung gebe lediglich der Honda Civic. Sein deutlich besseres Abschneiden sei auf ein spezielles Design von Motorhaube, Kotflügel und Stoßstange zurückzuführen.


Ungelöst sei die Kindersicherheit
Selbst gute Kindersitz-Modelle würden im Crash-Fall an ihre Grenzen stoßen. Durch steifere Fahrgastzellen wirke auf die Insassen ein höherer Impuls als bisher. Bei Erwachsenen werde diese Krafteinwirkung durch Airbag und Gurtkraftbegrenzung gedämpft, Kindersitze verfügen derzeit aber nicht über vergleichbare Dämpfungselemente. Das schlechteste Ergebnis gab es bei den Kindersitzen im Mitsubishi Carisma, kritisierten die Tester. Die Kinder-Dummies seien mit dem Kopf gegen den harten Fangtisch des vom Hersteller noch immer empfohlenen Kindersitzes Storchenmühle Air Seat "gedonnert". Der VKI hatte auf die Mängel dieses Sitzes bereits im vergangenen Crash-Test hingewiesen.


Weitere Schwachpunkte seien weich gepolsterte Sitzbänke und/oder ein Gurtsystem, mit dem sich die Kindersitze nicht ausreichend fixieren lassen, warnten die Tester. Auch bei der Umsetzung des grundsätzlich von ÖAMTC und VKI favorisierten Isofix-Systemes gab es Probleme. Beim Honda Civic hatte die derzeit gebräuchliche - andere - fixe Verankerung an lediglich zwei Punkten nicht verhindert, dass der Kopf des Kindes nach vorne geschleudert wurde. Beim Renault Laguna habe ein ähnliches System deutlich besser abgeschnitten, hieß es.

6.6.2001 10:47
GUSTO-Rezeptsammlung