Samstag, 9. Juni 2001

Ihr Privatleben als Mann hält Lilo streng geheim

Die deutsche Sextalkerin und Kultfigur der Schwulenszene, über das derzeit in Wien stattfindende Schwulenfestival Europride, ihr Sexleben und Jörg Haiders Ausstrahlung.

Lilo Wanders ist seit Juni 1994 Moderatorin und
Aushängeschild der erfolgreichsten deutschsprachigen Erotiksendung "Wa(h)re Liebe" auf Vox und Liebling der Schwulenszene. Ihr Alter und ihr Privatleben als Mann hält die deutsche Sextalkerin streng geheim.

Format: Frau Wanders, Sie sind im Rahmen der Europride in Wien - was kann diese Veranstaltung Ihrer Meinung nach bewirken?
Wanders: Die Europride lenkt die Aufmerksamkeit auf Schwule, Lesben, Transsexuelle und transgender People und wirbt für größere Offenheit und Liberalität. Darüber hinaus ist es ein großes kulturelles Ereignis. Jeder kann seinen Spaß haben und zeigt damit auch gleichzeitig, daß er tolerant und akzeptierend ist.

Format: Was sind heute noch die größten Probleme der Homosexuellen in unserer Gesellschaft?
Wanders: Einerseits die rechtliche Gleichstellung. Andererseits gibt es auch die persönliche Ebene, und da ist das Coming-out nach wie vor das größte Problem. Der Schritt an sich und anderen das Schwulsein einzugestehen wird erschwert durch so seltsame Ansichten wie man suche sich seine Sexualität freiwillig aus.

Format: Schwule müssen immer noch um Gleichheit kämpfen. Mit welchen Mitteln können sie denn erfolgreich agieren?
Wanders: Flagge zeigen! Und da gehört eben in erster Linie das Outing dazu. Wichtig sind natürlich auch politische Aktivisten oder Aktivisten in politischen Ämtern.

Format: Sie kommen ja regelmäßig nach Wien - haben Sie das Gefühl, daß sich seit Amtsantritt der schwarz-blauen Regierung das Klima gegenüber Homosexuellen geändert hat?
Wanders: Ich glaube, es steht mir nicht an, das zu beurteilen. Aber ich kann mir vorstellen, daß in der ersten Zeit eine Form von Bedrückung da war.

Format: In Ihrem Privatleben sind Sie ja eigentlich ein Mann.
Wanders: Das ist nicht wahr, ich bin eine Frau! Nein, im Ernst, das einzige, was ich eingestehe, ist, dass Lilo Wanders dargestellt wird von dem Hamburger Schauspieler Ernie Reinhardts.

Format: Wie würden Sie sich also definieren?
Wanders: Lilo Wanders ist eine energische, gepflegte, heterosexuelle Frau in mittlerem Alter, oder besser: ohne Alter, die in ihrem Leben reichlich Erfahrung gesammelt hat und diese auch in ihrem Beruf einsetzt.

Format: Sie treten immer mit hohen Stöckeln, tiefdekolletierten Kleidern und Kußmund auf. Sind Sie eine Femme fatale?
Wanders: Irgendwie schon. Letztendlich ist das aber ein Spiel mit Versatzstücken, wie den blonden Haaren und dem tiefen Ausschnitt. Also die ironische Brechung des weiblichen Ideals. Denn wenn ich rede, bin ich gar nicht doof, sondern eine autarke Person, die eher asexuell und mütterlich wirkt.

Format: Wer hat eigentlich die Figur Lilo Wanders kreiert?
Wanders: Ich hab' mich selbst vor mehr als zwanzig Jahren als Figur erfunden. In der "Schmidt-Mitternachtsshow" - einer Sendung, die Anfang der neunziger Jahre im Fernsehen lief - bin ich dann zuerst als Lilo Wanders aufgetreten. Seit dieser Zeit gibt es mich also, und ich bin mit den Jahren nur etwas jünger, etwas moderner und etwas menschlicher geworden.

Format: Wie sind Sie von einer Darstellerin in einem Nischenprogramm zur Sexexpertin der Nation geworden?
Wanders: Eines Tages kam die Anfrage vom Produzenten von "Wa(h)re Liebe", ob ich das präsentieren wolle. Ich hab' gleich nein gesagt. Und am nächsten Tag saß ich im Studio, man hat mich unter Alkohol gesetzt, Dolly Buster reingeschubst, die Türen verschlossen, und ich hatte einen neuen Beruf. Mittlerweile bin ich eine bundesweit, wenn nicht sogar europaweit bekannte Person.

Format: Ihre Sendung ist das einzige Erotikmagazin, das noch am Markt ist. Sowohl "liebe sünde" als auch "peep!" wurden ja eingestellt. Wodurch erklären Sie sich den Erfolg von "Wa(h)re Liebe"?
Wanders: Das liegt letzten Endes - in aller Bescheidenheit - auch an mir. Weil ich die ganze Wucht meiner Persönlichkeit dort reinschmeiße. Und eben auch manchmal die Gesetze des Fernsehens durchbreche, indem ich das alles nicht so furchtbar ernst nehme. Humor ist ein wichtiger Faktor in meiner Sendung. Denn das ist die einzige Möglichkeit, über Sexualität in dieser Form und in dieser Öffentlichkeit zu sprechen.

Format: Noch einmal zurück zu Ihrem Privatleben. Auf wen stehen Sie sexuell?
Wanders: Männer!!! Sonst könnte ich doch nicht kompetent darüber sprechen.

Format: Und welchen Typ Mann finden Sie besonders anziehend?
Wanders: Klugheit finde ich sehr aphrodisierend; auch ein nicht ganz ramponiertes Äußeres. Man muß schon sehen, daß sich jemand auch dafür interessiert, ansprechend auszusehen. Ansonsten kommt der, wo die Liebe hinfällt. Ich bin auch niemand, der besonders auf One-night-Stands steht. Das ist, als würde ich mich bei McDonald's durchfressen, und nach einer halben Stunde habe ich schon wieder Hunger.

Format: Kennen Sie Jörg Haider, den Landeshauptmann von Kärnten?
Wanders: Jaaaaaa.

Format: Ihm wird nachgesagt, auf beide Geschlechter anziehend zu wirken. Wie beurteilen Sie seine Ausstrahlung - ist Haider ein Mann, der den Schwulen gefällt?
Wanders: Haider ist ein attraktiver Mann, vom Äußeren. Aber Attraktivität macht sich bei mir auch über Weltanschauung fest und nee, den will ich nicht mal geschenkt.

Format: Sie sollen behauptet haben, daß Sie so jung aussehen, weil Sie so oft Sex haben.
Wanders: Das ist nicht meine Behauptung, sondern tatsächlich Gegenstand einer wissenschaftlichen Untersuchung gewesen, dass dreimal Sex pro Woche einen zehn Jahre jünger macht. Und ich habe immer den Ehrgeiz gehabt, zwanzig Jahre jünger auszusehen. Achtmal pro Woche Sex und montags frei - so!

Das ausführliche Interview Interview lesen Sie im aktuellen Format

9.6.2001 16:52

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