Lachkrampf: Die Quoten von Schmidt & Raab im Tief

TV-Media über Stefan Raabs Stern beginnt zu sinken. Sein Ausflug ins Zeitungsgeschäft endete nach nur vier Monaten mit einer Totalniederlage. Mit sofortiger Wirkung wurde vergangene Woche die Programmzeitschrift TV total beerdigt und knapp 200 Millionen Schilling in den Wind geschrieben. Immerhin verliert Raab auch angesichts dieses Bauchflecks nicht seinen brachialen Humor: „Als Metzger weiß ich: Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei!“
Doch angesichts der Quotenentwicklung seiner TV-Show dürfte Raab das Lachen bald vergehen. Seit der Vervierfachung von TV total sinken die Zuseherzahlen im Eiltempo. Sahen im Oktober 2000 noch 3,71 Millionen zu, konnten sich im Mai nur mehr 2,13 Mio. Deutsche für die PRO-7-Show erwärmen.
Besonders schmerzhaft ist der Rückgang in der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Hier verlor Raab im Vergleichszeitraum 600.000 Seher und fuhr im Mai erstmals einen Marktanteil unter der 20-%-Marke ein.
Hoffnung Elton. Durch die Einführung von Showpraktikant Elton soll das Flaggschiff der PRO-7-Unterhaltung wieder auf Erfolgskurs gebracht werden.
Bei den Fans kommt der von Raab dauergedemütigte Junior bereits so gut an, dass über eine eigene Show für den TV-Youngster spekuliert wird.
Schmidts Rebellion
Dass sich Raab mit der Vervierfachung übernehmen wird, hat Kollege Harald Schmidt bereits im vergangenen Herbst prognostiziert. Schmidt süffisant: „Damit verlässt Raab das Genre, das er wirklich beherrscht!“ Dass Schmidt jetzt selbst sinkende Quoten hinnehmen muss, scheint „Dirty Harry“ nicht weiter zu stören. Schmidt, ganz cool: „Mir ist es inzwischen zu würdelos, Quoten zu erklären und mich zu verteidigen.“
Mit seiner so genannten Bildungsoffensive – so spielte er mit Playmobil-Figuren eine Wagner-Oper nach, mit Barbie-Puppen Hamlet – scheint er den Quotenschwund sogar bewusst herbeizuführen zu wollen. Als Protest gegen die Verschiebung seiner Show weit nach Mitternacht sendete Schmidt vorige Woche 20 Minuten Schwarzblende und nannte es „Radionacht“. Schmidt über den schlechten Sendeplatz: „Von mir gibt es darüber keine Beschwerde, SAT.1 bezahlt die Show und kann sie ausstrahlen nach Belieben.“
Neuanfang
Unter massiven Quotenverlusten leidet auch die SAT.1-Wochenshow. Im Vergleich zu 1999 haben sich 2,2 Millionen Seher von Ingolf Lück & Co verabschiedet. SAT.1 nützt den Ausstieg von Bastian Pastewka und Markus Maria Profitlich, um die einstige Erfolgsshow komplett zu erneuern.
Ab Herbst wird das Team auf sechs Comedians (darunter die Wienerin Nadja Maleh) aufgestockt und ein neues Konzept verfolgt. Die Nachrichten-Parodien werden deutlich reduziert, stattdessen wird auf Sketche vor dem Live-Publikum gesetzt. Insider pfeifen es wie Spatzen von den Dächern: Das ist die letzte Chance für die Wochenshow. Erfolgt kein Aufschwung, ist Ende des Jahres Schluss mit lustig.
Experten im Talk
Keine Krise am Comedy-Himmel dagegen sieht PRO-7-Unterhaltungschef Jobst Benthues. Im TV-MEDIA-Interview vertraut er auf die Selbstreinigung des Markts: „Comedy ist ein dermaßen kostenintensives Geschäft, dass schlecht laufende Formate fast automatisch vom Markt verschwinden.“ Benthues sieht in der Vervierfachung von TV total keine Gefahr für den langfristigen Erfolg der Show: „Wir wollten weg vom Eventcharakter und einen Comedy-Fixpunkt im TV-Alltag der jüngeren Seher schaffen. Die Show von Stefan Raab ist für uns ein absolut langfristig angelegtes Projekt.“
Dass PRO 7 vor einigen Wochen die Preise für die Werbespots in TV total dramatisch senken musste (was dem Sender pro Jahr Erträge in Höhe von rund 150 Mio. Schilling wegknabbert), bleibt dabei unerörtert.
Auch SAT.1 bleibt angesichts der Quotenflaute (noch) ruhig. Sendersprecher Dieter Zurstraßen zu TV-MEDIA: „Bei Harald Schmidt zahlt sich Gelassenheit aus. Das Publikum bleibt innerhalb der „Schmidt’schen Fieberkurve“ dem Format treu. Während der Verdunklung hatten wir die meisten Seher dabei!“
Alles über Raabs Gagparade und die Top-Gags von Harald Schmidt und den Comedy-Nachwuchs lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von TV-MEDIA.
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