Anthony Quinn starb im Alter von 86 Jahren

Er zeugte 13 Kinder mit fünf Frauen, drehte mehr als 300 Filme, verdiente Millionen Dollar und lebte einmal in Rom, einmal in New York. So richtig zufrieden aber war Weltstar Anthony Quinn auch im hohen Alter noch nicht. "Ich frage mich immer noch, ob ich erfolgreich bin oder nur einen wertvollen Platz auf der Welt verbrauche und nichts damit anfange", meinte er einmal.
Am Sonntag ist der weltberühmte Schauspieler im Alter von 86 Jahren in einem Krankenhaus in Boston an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Auch ein Herzinfarkt und eine Bypass-Operation 1990 hatten die Lebensfreude des vitalen Altstars nur kurz zu trüben vermocht. Der Tatendrang des Multitalents, das sich neben dem Filmen auch der Malerei und Bildhauerei widmete, schien damals ungebrochen: "Gott machte aus 24 Stunden für mich 36", sagte Quinn in einem Gespräch.
"Spielen bedeutet für mich leben"
An Traumrollen mangelte es in seinem bewegten Schauspielerleben wahrlich nicht, und doch hegte Quinn lange den Wunsch, einen Film über Picasso zu machen. Denn auch der große spanische Künstler zeugte noch in hohem Alter Kinder und wurde 91. "Spielen bedeutet für mich leben", sagte Quinn. Auf der Leinwand war er Barabbas und Quasimodo, Aristoteles Onassis und Antonio Stradivari, Paul Gauguin, der Papst und der Prophet Mohammed - wohl keine andere Figur aber machte Quinn so berühmt und schien ihm zugleich so auf den Leib geschrieben zu sein wie der Titelheld in dem Film "Alexis Sorbas" (1964, gr. Bild), seine zeitlebens meistgeliebte Rolle.
In dem Welterfolg um die Begegnung eines intellektuellen britischen Schriftstellers (Alan Bates) mit einem trinkfesten mazedonischen Arbeiter identifizierte sich Anthony Quinn so sehr mit Sorbas, diesem Sinnbild dionysischer Lebensfreude, dass Millionen ihn bis zuletzt für einen Griechen hielten. Dabei kam Anthony Rudolph Oaxaca als Sohn eines Iren und einer Mexikanerin aztekischer Herkunft in Chihuahua (Mexiko) während der Revolutionswirren "in einem Kugelhagel" zur Welt. Er wuchs in den Slums von Los Angeles auf, wirkte schon als Kind in "Tarzan"-Streifen mit und schlug sich ansonsten mit Gelegenheitsjobs durch - unter anderem als Preisboxer und Obstpflücker.
Fünf Frauen, dreizehn Kinder
Hätte Cecil B. De Mille geahnt, dass Quinn gegen den erbitterten Widerstand des mächtigen Hollywood-Produzenten dessen Tochter Katherine heiraten würde, wäre es 1936 vielleicht nicht zum ersten größeren Filmengagement des jungen Anthony gekommen. Die Ehe, aus der drei Töchter und ein Sohn hervorgingen, hielt immerhin fast drei Jahrzehnte.
Quinns zweite Frau Iolanda ließ sich nach 31 Jahren Zweisamkeit und langem Rechtsstreit scheiden, weil ihr unermüdlicher, damals 78 Jahre alter Gatte mit seiner früheren Sekretärin Kathy Benvin - später seine dritte Ehefrau - 1993 eine kleine Antonia in die Welt gesetzt hatte. Vier weitere uneheliche Kinder - Quinn nannte sie "biologische Unfälle" - zeugte er mit einer Deutschen und einer Französin.
"Ich bin froh, dass ich den Weg des Schauspielers wählte"
So bilanzierte Anthony Quinn sein Leben. "Ich habe so große Talente kennen gelernt - Menschen wie Rachmaninow oder Thomas Mann." Orson Welles bezeichnete ihn einst als "One Man Tango", als Mann, der zeitlebens auf sich allein gestellt war. "Ein-Mann-Tango" ist auch die deutsche Übersetzung seiner 1996 veröffentlichten Autobiografie, in der Quinn sein bewegtes Leben erzählt. "Ich bin tausend Mal geliebt worden", heißt es darin, "aber ich will immer noch mehr".
Wegen seines mexikanisch-indianischen Aussehens war Quinn ein gefragter Chargendarsteller, in Dutzenden von Western- und Abenteuerfilmen verkörperte er strahlende Revolverhelden, schmierige Gangster und vor allem auch Indianer, oft festgelegt auf die Rolle des exotisch-ungezähmten und brutalen Krafttypen. Er spielte aber auch einen Papst oder Boxer.
1954 machte er als der "große Zampano" in Federico Fellinis Meisterwerk "La strada" Furore: als roher, ungeschlachter Macho, der die Liebe seiner Assistentin Gelsomina, gespielt von Giulietta Masina, übersieht, sie ausbeutet und letztlich erst durch ihren Tod unter der harten Schale in seinem Innersten erschüttert wird.
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