Sonntag, 10. Juni 2001

FORMAT-Porträt des Großhändlers Anton Stahrlinger

Der Papiergroßhändler Anton Stahrlinger hat gute Chancen, neuer Libro-Boß zu werden. In seinem Konsortium: die milliardenschwere Kirchdorfer Gruppe, WAZ, Yline, Primus Online und Billa-Boß Veit Schalle als Berater. Das Geld kommt vom US-Fonds Navigator.

Bei den diversen Bankengipfeln in der Causa Libro ist das Durcheinander schon Gewohnheit. Weder haben die Banken, bei denen Libro mit insgesamt 2,3 Milliarden Schilling in der Kreide steht, eine gemeinsame Verhandlungslinie, noch fahren die Eigentümer eine einheitliche Strategie. Für die angeschlagene Buchhandelskette selbst brachten die hektischen Gespräche der letzten Tage aber immerhin zwei Erfolge. Erstens: Bis Ende Juni ist die Liquidität des Unternehmens gesichert. Zweitens: Es gibt genügend finanzstarke Kandidaten, die Libro auffangen und weiterführen wollen.

Suche nach Milliarden. Der akute Finanzbedarf liegt bei 500 bis 700 Millionen Schilling, weshalb Libro einen neuen Eigentümer mit gefüllter Kasse und Branchenerfahrung braucht. Interessenten wie die deutsche Buchhandelskette Hugendubel, der ebenfalls deutsche Eurobooks-Verlag und jede Menge internationale Fonds und Investmentgesellschaften strecken ihre Fühler aus. Fixpunkt im Kandidatenkarussell ist der Eigentümer des Welser Papierhandelsunternehmens PBS, Anton Stahrlinger. Er setzt mit Ordnern, Schulheften und Bleistiften rund 2,3 Milliarden Schilling um. Laut einem Libro-internen Protokoll ist Stahrlinger für mindestens 1,1 Milliarden Schilling gut.

Das Geld kommt nicht von seinem Privatkonto, sondern vom US-Fonds Navigator, der in Österreich von der Rechtsanwaltskanzlei Dorda, Brugger & Jordis vertreten wird. Und Stahrlinger setzt auf einen weiteren Trumpf: "Wir verfügen nicht nur über das nötige Kapital, sondern auch über ein erstklassig besetztes Konsortium rund um den Fonds."

Geheime Liste. Die Namen will Stahrlinger vorläufig auch gegenüber den Banken noch nicht outen. Doch FORMAT liegt die Liste der Wirtschaftsgranden hinter Stahrlinger vor:

o Stahrlinger zur Seite steht Max Machanek, der Chef der Kirchdorfer Beteiligungs AG. Neben Zement- und Betonwerken sowie Steinbrüchen gehört die Brevillier-Urban Schreibwarenfabrik (Jolly) zum Konzern, dessen Großkunde Libro war. Machanek: "Ich bin bei jeder sinnvollen Lösung dabei. Ich kann rasch reagieren und notfalls größere Summen zuschießen.

o Eine zentrale Rolle hat Yline-Chef Werner Böhm. Er pflegt seit langem Kontakte zu Navigator und erhielt von den Amerikanern schon eine Finanzspritze für die Yline. Böhm macht die Informationstechnologie der PBS, Stahrlinger saß eine Weile im Yline-Aufsichtsrat. Böhm unterhält enge Kontakte zum Industriellen Ernst Hoffmann und zu Mike Lielacher (Bluebull), denen Libro-Ambitionen nachgesagt werden.

o An Werner Böhms Seite sitzt Karl Dwulit, Österreich-Chef der Metro-Internettochter Primus Online, in Stahrlingers Konsortium. Yline hält 49 Prozent an Primus Online-Österreich.

o Ebenfalls im Konsortium: ein Vertreter der WAZ, die bereits an der Libro-Internet-Tochter lion.cc 35 Prozent hält und so ihre Interessen wahren will.

o Veit Schalle, General des Billa-Konzerns, hat sich der Gruppe als Berater angeboten. Schalle, der ein Engagement als Mitglied des Konsortiums dementiert, ist ein exzellenter Libro-Kenner. Unter seiner Ägide hat Rettberg die einstige Billa-Tochter groß gemacht. Schalles Bereitschaft ist auch bereits in Investorenkreisen bekannt. Gespräche führte er etwa mit dem Chef des Libro-Miteigentümers UIAG, Kurt Stiassny.

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10.6.2001 10:08