Samstag, 9. Juni 2001

FORMAT über die Hintergründe der Familienpleite

Vier Milliarden Schulden, dubiose Finanztransaktionen, mysteriöse Großbrände, der Juniorchef in U-Haft und seine Eltern nach Haftbefehlen auf der Flucht: Wie die biedere Familie Steiner aus dem Salzkammergut die drittgrößte Pleite Österreichs baute.

Der Mann liebt teure Weine, raucht vorzugsweise kubanische Zigarren, fährt schnelle Autos und bastelt in seiner weitläufigen Villa zur Entspannung am liebsten Weihnachtskrippen. Seinen 38. Geburtstag am achten Juli wird Alfred Steiner wohl nicht gebührend feiern: Der Ex-Chef des Plastikkonzerns Steiner Industries AG sitzt seit zehn Tagen gemeinsam mit seinen beiden Ex-Managern Günther Basler und Herbert Schiller wegen Betrugsverdachts in Wels in Untersuchungshaft.

Als Gendarmeriebeamte den Filius am Mittwoch vorvergangener Woche aus seiner luxuriösen Villa in Altmünster im Salzkammergut holten, versetzte dies seinen Eltern einen gehörigen Schock. Erst am Vortag in einem Hotel im norditalienischen Kurort Abano Therme eingetroffen, machte sich das Ehepaar Brigitte, 56, und Leopold Steiner, 57, von dort sofort aus dem Staub und ist seither wie vom Erdboden verschluckt. Der Grund: Die Welser Staatsanwältin Ulrike Althuber hat mittlerweile auch das Ehepaar Steiner international wegen des Verdachts auf Betrug und Geldwäsche zur Verhaftung ausgeschrieben.

Wolfgang Moringer, von der Familie Steiner angeheuerter Strafverteidiger aus Linz, weist alle Anschuldigungen zurück: "Meine Mandanten haben beim Justizministerium um freies Geleit angesucht. Wird es nicht gewährt, stellen sie sich freiwillig." Das geringe Heimweh des Ehepaars Steiner hat offenbar ursächlich mit einer Strafanzeige zu tun, die der Wiener Rechtsanwalt Dieter Spranz von der Kanzlei Wolf, Theiss & Partner im Auftrag des britischen Investmenthauses Duke Street Capital, zu 67 Prozent Besitzer der Unternehmensgruppe Steiner, am 11. Mai bei der Staatsanwaltschaft Wels deponiert hat. Die Briten hatten die Steiner-Mehrheit bis Juni 1999 um 750 Millionen erworben und fühlen sich betrogen. Anstatt eines lukrativen Börsengangs, in den eine Gruppe internationaler Investoren, angeführt von Merrill Lynch, weitere 2,4 Milliarden pumpte, droht dem Hersteller von Plastikmöbeln und -kisten nun der totale Crash.

Das Dossier. Vier Wochen später erweist sich die Anzeige der Briten als veritabler Sprengsatz: Der Plastikkonzern Steiner Industries belegt mit Verbindlichkeiten von über vier Milliarden Schilling und einer Überschuldung von 1,5 Milliarden Platz drei der heimischen Pleitenstatistik (nach Konsum und Maculan) - und er entpuppt sich als offenbar von langer Hand vorbereiteter, lupenreiner Kriminalfall.

Aus dem FORMAT exklusiv vorliegenden Dossier läßt sich die Dramaturgie des Steiner-Krimis erstmals präzise nachvollziehen. Das Papier beschreibt, was sich hinter den Fassaden des biederen Familienclans aus dem Salzkammergut in den vergangenen Jahren abgespielt hat:

o Bei den Malversationen "handelt es sich um unzulässige Mittelzuflüsse an die Verdächtigen zu Lasten der Steiner Unternehmensgruppe sowie Überbewertungen von Forderungen und Vorräten, zu dem Zweck, die wirtschaftliche Situation der Unternehmensgruppe unrichtig darzustellen."

o Über die Steiner-Tochtergesellschaft im deutschen Hechingen sollen jahrelang mittels "fiktiver Rechnungen" Gelder an eine Steiner Freizeitmöbel AG sowie eine Fidelbau AG in der Schweiz abgeflossen sein. Clou an der Geschichte: Zwischengeschaltet war eine Erhart Freizeitmöbel Deutschland - mit gleicher Adresse und Geschäftsführung wie die deutsche Steiner-Niederlassung. "Seit 1994", so die Anzeige, wurden "fiktive Rechnungen ausschließlich mit Blankowechseln bezahlt" und so umgerechnet mindestens 350 Millionen Schilling an in Wahrheit nicht existierenden Forderungen getürkt.

o "Im Zuge der Erstellung der Bilanz für das Jahr 2000 wurde festgestellt, daß Warenbestände in der Höhe von 163 Millionen fehlen. Dies entspricht 50 Prozent des gesamten Lagerbestandes." Ersten Ermittlungen von Beamten der Bundespolizeidirektion Linz zufolge reichen die Fehlbestände bis ins Jahr 1997 zurück: Laut Anzeige waren sie Alfred und Leopold Steiner sowie den beiden ebenfalls eingebuchteten Ex-Managern "bekannt".

o Daß der rustikal auftretende Unternehmensgründer durchaus gefinkelte Finanztransak-
tionen aufzuziehen imstande war, läßt sich am Beispiel des Logistikunternehmens ILD nachvollziehen: Die Leopold Steiner Privatstiftung kaufte das Unternehmen 1997 um exakt eine D-Mark über die Liechtensteiner General Steel. Zwei Jahre später flossen beim Verkauf der ILD an die neuen Aktionäre zumindest 75 Millionen Schilling in Steiners Privatschatulle.

o Bei der Skiweltmeisterschaft in St. Anton ließ es der Steiner-Clan laut Anzeige noch einmal so richtig tuschen: Anstatt wichtiger Firmenkunden "wurden zu einem großen Teil Freunde und Verwandte der Steiners" fürstlich bewirtet: "Der Gesamtaufwand für die Veranstaltung belief sich auf knapp drei Millionen." Allein die Rechnung im Nobelhotel Hospiz am Arlberg "betrug 700.000 Schilling (400.000 davon Restaurant)".

Die ganze Reportage lesen Sie im aktuellen FORMAT.

9.6.2001 16:18