Freitag, 8. Juni 2001

Rettberg verläßt Aufsichtsrat von Lion.cc

Laut Bankenmeinung steht ein Totalzusammenbruch von Libro nicht bevor. Denn da bliebe für niemanden was übrig außer noch mehr Verlust.

Es werde zwar zur "Arrondierung" kommen. Aus heutiger Sicht bestehe jedoch kein Plan, Libro zu liquidieren, sagte ein Bankvorstand heute, Freitag, nach dem Bankengipfel von gestern Abend zur APA. Vorrang habe in den nächsten Tagen die Investorensuche. Es gebe bereits Gespräche mit zwei Gruppen (PBS/Stahrlinger und VCH), "aber auch mit anderen potenziellen Investoren". Dafür gibt es aber ein Ultimatum.

"Strukturierte Interessentensuche" falls keine Investoren auftauchen
Sollte dieser Blitz-Verkauf nicht in spätestens vier Wochen perfekt gemacht werden können, müsse eine "strukturierte Interessentensuche" gestartet werden. Andere Bankmanager hatten heute von zwei bis drei Wochen gesprochen. Dann werde auch die Rolle der Gläubigerbanken eine andere sein. Die Bank Austria (BA) als größte Bankengläubigerin hat angeboten, bei Bedarf die Konsortialführerschaft für den Gläubigerbankenpool zu übernehmen.

Variante: Zwangsausgleich
Eine gestern gebildete Arbeitsgruppe aus großen Gläubigerbanken (Bank Austria, Raiffeisen, Oberbank, Deutsche Bank) und Beratern (Roland Berger, als Autor eines vorliegenden Sanierungskonzepts) bewerte in den nächsten Tagen die einen Verkauf begleitenden Optionen zur erforderlichen Teilentschuldung: einfacher Schuldennachlass, außergerichtliche Verfahren ("Stiller Ausgleich") und Ausgleich. Als Variante steht auch ein Zwangsausgleich im Raum, laut Bankenangaben aber nicht bevorzugt. Dass ein Konkurs derzeit am teuersten würde, braucht nach Angaben aus den Instituten nicht extra ausgerechnet werden.

Sollte der erhoffte kapitalkräftige Investor "auf die Schnelle" nicht bereit stehen, könnte ein Teil der Banken Libro zunächst einmal selber übernehmen. Unter industrieller Führerschaft könnten die Kreditgeber dann selber nach neuen Libro-Aktionären bzw. anderen Lösungen suchen. "Momentan" stehe eine Ablöse der amtierenden Libro-Führung unter Andre Rettberg "nicht im Vordergrund" der Bankenforderungen. Das Vertrauen der Banker habe zumindest Rettberg aber ziemlich verspielt: "Die Performance spricht nicht für ihn".

Während nach früheren Bankenrunden einheitliche Positionen der Kreditinstitute nicht wirklich feststellbar waren, so beurteilt der Banker, dass nun "niemand irgend etwas kategorisch ausgeschlossen hat" als Fortschritt.

8.6.2001 14:52