Mittwoch, 6. Juni 2001

Fünf Nebenbahnen erhielten Gnadenfrist

Ab kommenden Sonntag, 10. Juni, wird die ÖBB sechs Nebenbahnen einstellen. Zeitgleich mit der Einführung des Sommerfahrplans werden vier Strecken in Niederösterreich und je eine in der Steiermark und in Tirol still gelegt. Fünf Nebenbahnen bekommen eine Gnadenfrist.

Auf der Tiroler Strecke, der Außerfernbahn, gibt es bereits jetzt keine ÖBB-Züge mehr, es fährt jedoch die Deutsche Bahn (DB Regio) von Bayern aus weiter. Weitgehend wird von den ÖBB ein Busersatzverkehr angeboten.

Vier Strecken in Niederösterreich
In Niederösterreich sind von der Einstellung die Strecken Retz-Drosendorf, Drösing-Zistersdorf, Freiland-Türnitz sowie Gmünd-Großgerungs betroffen. Die letztgenannte Strecke wird nicht mehr im regulären ÖBB-Fahrplan, sondern von "ÖBB Nostalgie" an Wochenenden weiter befahren.

Fünf Strecken erhalten Gnadenfrist
Weitere fünf Nebenbahnen, die auf der Einstellungsliste der ÖBB stehen, erhalten eine Gnadenfrist. Es handelt sich in Salzburg um die Pinzgaubahn und in Niederösterreich um die Mariazellerbahn, die Ybbstahlbahn sowie die Strecken Obergrafendorf-Mank-Ruprechtshofen und Siebenbrunn/Leopoldsdorf-Engelhartstetten.

Diese Bahnen stehen weiter im ÖBB Sommerfahrplan 2001 mit weitestgehend unveränderter Zugdichte, erfuhr die APA aus den ÖBB. Bei der Ybbstahlbahn mit der Fußnote einer Fahrplanumstellung im heurigen September. Bei der Mariazellerbahn wird der Fahrplan voraussichtlich ab 1. Jänner 2002 umgestellt, wobei zu "Pendlerzeiten" mehr Züge geführt werden, zu anderen Zeiten dafür etwas weniger. Die Fahrplanwechsel sind aus Sicht der ÖBB mit dem Land Niederösterreich bereits akkordiert.

Ausschreibung für wenig interessante Nebenbahnen
Für Nebenbahnen mit geringerem Weiterführungsinteresse wird es im Einvernehmen mit den Ländern und der Schieneninfrastrukturgesellschaft SCHIG ein Ausschreibungsverfahren sowohl für die Infrastruktur als auch den Betrieb geben. Die Bahnen, wo das Interesse an einem Weiterbetrieb größer ist, das sind die Pinzgaubahn, die Mariazellerbahn und die Ybbstalbahn, wird ein neuer Betreiber über ein Ausschreibungsverfahren der Länder zu suchen sein, verlautet aus den ÖBB.

Die SCHIG hat im Rahmen einer seit 15. März laufenden Interessentensuche für zwölf Nebenbahnstrecken (acht in Niederösterreich, zwei in Kärnten und je eine in der Steiermark und Oberösterreich), die auf der ÖBB Einstellungsliste stehen, innerhalb der Einreichfrist 17 Interessensbekundungen von 6 verschiedenen Interessenten erhalten. Vier davon können sich einen Weiterbetrieb als nicht-öffentliche Eisenbahn (Museums- oder Anschlussbahn) vorstellen. Für elf Nebenbahnstrecken haben Privatbahnunternehmen ihr Interesse an einer Übernahme als öffentliche Eisenbahn, teils im Personen- teils im Güterverkehr angemeldet.

Eignungsprüfung für Bahn-Interessenten
Bis etwa Mitte Juli wird - unter Einbeziehung der entsprechenden Bundesländer - die Eignung der Interessenten geprüft, ob diese als Betreiber einer öffentlichen Eisenbahn geeignet sind, sagte eine Sprecherin der SCHIG zur APA. Erst dann kann ein europaweites Ausschreibungsverfahren für die Infrastruktur (die Gleisstrecke samt Bahnanlagen) starten. Findet sich danach es für eine Strecke kein geeigneter Interessent an einem Weiterbetrieb als öffentliche Eisenbahn, folgt ein kompliziertes Einstellungsverfahren. Erst dann kann eine mögliche Weiternutzung einer Strecke als nicht-öffentliche Eisenbahn geprüft werden.

6.6.2001 15:25