Treiben von Ditz nicht länger zusehen

Geharnischte Worte fand der Betriebsrat der Telekom Austria (TA), Erich Huhndorf, für die Aussagen von TA-Aufsichtsratschef und ÖIAG-Vorstandssprecher Johannes Ditz von Mittwoch: "Ditz verliert scheinbar nicht nur die Nerven, sondern auch den Überblick".
Ditz meinte am Mittwoch, "einige Aufsichtsräte" hätten Sorge, "dass Umsatz, Cash-Flow und Marktanteile von der geplanten Budgetlinie abweichen" und dass der geplante Turn-Around zu Ende des Jahres derzeit "eher gefährdet" sei.
Huhndorf dazu: "Ditz scheint Dinge zu verwechseln". Gerade Ditz betone immer wieder, nicht in die Öffentlichkeit gehen zu wollen und bringe dann Dinge an die Öffentlichkeit, für die er gar nicht zuständig sei. "Der Eigentümer dürfte dem Treiben von Ditz nicht länger zusehen", meint Huhndorf.
Telekom Austria liegt auf Kurs
TA-Vorstandschef Heinz Sundt beharrte darauf, "dass wir die Erwartungen des Finanzmarktes erfüllen werden." Er zeigte sich ebenfalls über die Aussagen Ditz irritiert. Der Vorstand habe nie von einem Turn-Around im Jahr 2001 gesprochen, sondern gemäß den Erwartungen der Finanzmärkte lediglich eine Trendumkehr in Aussicht gestellt. Interne Budgets würden vom Vorstand nicht kommuniziert. "Wir wären weltweit das einzige Unternehmen, das solche Zahlen kommuniziert, wobei hier auch rechtliche Fragen zu überprüfen wären", meinte Sundt.
Im Normalfall würden die Geschäftsergebnisse außerdem vom Vorstand kommentiert. "Dass der Aufsichtsrat das tut, ist unüblich" und "dass diese Aufgabe dem Vorstand zukommt, geht sogar aus dem Aktienrecht hervor", meinte Sundt. Der TA-Chef will nun mit Ditz die persönliche Aussprache suchen und ihn mit seiner Position konfrontieren.
Telekom Austria "voll in Linie"
Während Umsatz und Marktanteile tatsächlich hinter den Erwartungen blieben, habe man sowohl bei der Kostenreduktion als auch bei der Rücknahme der Investitionen die Pläne mehr als erfüllt. Beim Personalabbau sei man wesentlich rascher als ursprünglich geplant. Alle Faktoren würden gemeinsam den Turn-Around bestimmen. Das erste Quartal sei damit eine "solide Basis" für die Trendumkehr und für eine Steigerung des EBITDA um 20 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro bis Jahresende, so Sundt.
Gegen die Marktanteilsverluste habe der Vorstand der TA bereits Maßnahmen "implementiert und angesetzt". Bei den Geschäftskunden habe man die Marktanteilsverluste bereits drastisch reduziert. Bei den Privatkunden habe man erst vorgestern neue Tarife präsentiert, die auch hier die Verluste einbremsen sollten, so der Vorstandschef.
Aktie legte wieder zu
Die gestrige Aussage von Ditz habe sich merklich auf den Kapitalmarkt ausgewirkt. Zwischenzeitlich sei der Kurs bereits nach der Aufsichtsratssitzung bereits auf 6,72 Euro zurückgegangen. Ob solche Aussagen aber tatsächlich Effekte auf den Aktien-Kurs hätten, könne man nicht bewerten, so Sundt. Heute lag der Kurs der Telekom Austria-Aktie gegen Mittag mit 7,04 Euro wieder um mehr als 3 Prozent über dem gestrigen Schlusskurs.
Frage über Ablöse des Gesamtvorstandes unbeantwortet
Die Frage über eine von Ditz immer wieder angedeutete Ablöse des Gesamtvorstandes stellt sich für Sundt nach der gestrigen Sitzung nicht. Ditz habe ihm gestern erklärt, "dass die öffentliche Diskussion über eine allfällige Neubesetzung des Vorstandes von ihm in der Vergangenheit nicht geführt wurde, von ihm zum jetzigen Zeitpunkt nicht geführt wird und, sollte in Zukunft eine solche Diskussion anstehen, diese in den entsprechenden Gremien abzuwickeln ist".
Er habe keinen Grund an den Aussagen seines Aufsichtsratspräsidenten zu zweifeln, so Sundt. Benötigt werde nach dem Abgang von Heinz Brasic aber dringend ein neuer Vertriebs- und Marketingvorstand. Er habe daher urgiert, dass der Aufsichtsrat hier rasch für Verstärkung sorge. "Die Zeit drängt", meinte Sundt. Die nächste Aufsichtsratssitzung ist vorerst für 6. Juli angesetzt, also nach der Hauptversammlung am 28. Juni.
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