Dienstag, 5. Juni 2001

Polizei bittet darum, die Gefangenen freizulassen

In der rumänischen Stadt Resita haben einige Hundert Arbeiter ihren neuen Direktor und zwei Mitarbeiter gefangen genommen. Ihr Protest richtet sich gegen das Ausbleiben der Löhne und Entlassungen.

Die Protestierenden sind Arbeiter eines vor mehr als einem halben Jahr privatisierten Stahlwerks in der südwestrumänischen Stadt Resita. Bis zum frühen Abend waren die Gefangenen noch nicht freigelassen worden, berichtete der rumänische Rundfunk. Erst vor sechs Wochen war ein anderer Direktor ebenfalls stundenlang gewaltsam von Arbeitern festgehalten worden.

Polizei bittet um Freilassung
Im Lauf des Tages sei auch die Polizei vor Ort gewesen und habe die Protestierenden "gebeten", Direktor Michael McNutt und seine Mitarbeiter freizulassen, hieß es. Zu dem Konflikt war es während einer Betriebsversammlung gekommen, die McNutt einberufen hatte.

Im Stahlwerk von Resita schwelt der Konflikt zwischen Arbeitern und Arbeitgebern schon lange, weil die Löhne immer wieder ausbleiben. Neuer Anlass zum Unmut war die am Dienstag bekannt gegebene Absicht, 29 von insgesamt 3.500 Arbeitern zu enlassen, darunter 22 führende Gewerkschafter.

Stahlwerk steht schon seit Monaten fast still
Das Stahlwerk steht seit seiner Privatisierung im Oktober 2000 nahezu still. Die US-Consultingfirma Noble Ventures hatte für 78,9 Millionen US-Dollar (93,2 Mill. Euro/1,283 Mrd. S) 96 Prozent seiner Anteile gekauft. Es ist das bisher einzige Stahlkombinat Rumäniens, das seit dem Fall des Kommunismus privatisiert wurde und stellt eine der größten US- Investitionen der vergangenen zehn Jahre in Rumänien dar.

Noble Ventures soll sich verpflichtet haben, weitere 130 Millionen US-Dollar in das Stahlwerk zu investieren und keine Mitarbeiter zu entlassen. Doch die versprochenen Investitionen sind bisher ausgeblieben.

5.6.2001 17:45