Dienstag, 5. Juni 2001

Schriftsteller sollen Faszination des Alls beschreiben

ISS - Diashow

Der erste Weltall-Tourist, US-Milliardär Dennis Tito, hat den Anfang gemacht. Wenige Wochen später folgte die US-Restaurantkette Pizza Hut mit dem ersten "Pizzalieferservice" im Weltraum. Nun suchen die fünf an der Internationalen Raumstation ISS beteiligten Partner konkret nach kommerziellen Nutzern für die ISS.

Bei der ersten internationalen Konferenz über die wissenschaftliche und kommerzielle Nutzung der Raumstation, dem ISS Forum 2001, werden von heute, Dienstag, bis Donnerstag in Berlin die ISS-Partner erstmals ihre Konzepte für die Kommerzialisierung der Raumstation vorstellen.

Bedingungen für kommerzielle Nutzung
Bei der Konferenz werden mehr als 500 Wirtschafts- und Regierungsvertreter sowie Wissenschafter erwartet. Ihnen wird jeder der fünf ISS-Partner (die Europäische Weltraumorganisation ESA sowie die USA, Russland, Japan und Kanada) seine Bedingungen für die Nutzung der Raumstation präsentieren und u.a. eine Preisliste - angefangen von den Transportkosten (rund 20.000 Dollar/23.590 Euro/324.612 S pro Kilogramm), über die Laborstunde bis zum Einsatz der Astronauten innerhalb und außerhalb der ISS - vorlegen. Dabei wird es sicher einen Wettbewerb zwischen den einzelnen ISS-Partnern geben, wie der bei der ESA für die ISS-Nutzung zuständige Jochen Graf kürzlich vor Journalisten im ESA-Testzentrum ESTEC in Noordwijk betonte.

Product-Placement auf der ISS
Die Industrie ist aufgefordert, Vorschläge vorzulegen - nicht nur für Forschungsprojekte im All, sondern auch für unkonventionelle Nutzungen, etwa Werbung. So könnten schon bald diverse Produkte werbewirksam schwerelos durch die Raumstation schweben und Product-Placement üblich werden. Speziell für die unkonventionelle Nutzung wird von den ISS-Partnern laut Graf ein ethisches Komitee gebildet, denn es gebe ein gemeinsames Image der Raumstation und jeder Partner könne dieses Image beschädigen. Graf: "So hat auch der Flug von Dennis Tito sicher einen negativen Einfluss auf das Image der Station."

All-Touristen: Schriftsteller statt "Ah" und "Oh" der Profi-Astronauten
Dennoch will Graf weitere Flüge von nicht-professioneller Astronauten zur ISS nicht ausschließen - und denkt etwa an Filmemacher, Lehrer oder Schriftsteller. Denn für die Vermittlung der Faszination des Weltraums an eine breite Öffentlichkeit seien die professionellen Astronauten nicht besonders geeignet, da käme oft nicht viel mehr als "Ah" und "Oh" oder "It was an emotional moment".

Die Suche nach kommerziellen Nutzern hat handfeste finanzielle Hintergründe, kommen doch die Erlöse aus der kommerziellen Nutzung jenem ISS-Partner zu Gute, der den Nutzer angeworben hat. Nicht nur die Russen plagen in der Raumfahrt Finanznöte - auch die Europäer haben im Zusammenhang mit der ISS ein Geldproblem. Der ESA steht ein Nutzungsrecht von 8,3 Prozent an der ISS zu - das kostet insgesamt pro Jahr 20 Mrd. Euro (275 Mrd. S). Doch laut Graf sind 30 Prozent des europäischen ISS-Beitrags unterdeckt - "entweder die Mitgliedsländer zahlen mehr oder wir verstärken die kommerzielle Nutzung".

5.6.2001 13:32