Dienstag, 5. Juni 2001

Euro-Sinkflug: EZB-Intervention nicht geplant

Umfrage, Diskussion, Eurorechner

Die Mehrheit der Deutschen steht dem Euro skeptisch bis ablehnend gegenüber. Über 61 Prozent befürchten eine Verteuerung nach der Euro-Wende und 51 Prozent lehnen den Euro generell ab. Der momentane 6-Monats-Tiefstand ist auch nicht angetan, das Euro-Vertrauen zu stützen. Die Eurogruppe denkt dennoch nicht an Intervention.

Die meisten Deutschen befürchten einer Umfrage zufolge Preiserhöhungen als Folge der Umstellung auf den Euro am 1. Jänner 2002. Eine Mehrheit von 61 Prozent rechne damit, dass die Unternehmen bei der Umstellung Preissteigerungen durchdrücken wollen, ergab eine Umfrage des Möllner Markt und Meinungsforschungsinstituts INRA für die "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe). Im April hätten dies noch 53 Prozent befürchtet.

Nur 18 Prozent erwarten sich Vorteile
Unverändert groß sei in Deutschland die Skepsis gegenüber der Gemeinschaftswährung. Nur eine Minderheit von 29 Prozent begrüße die Einführung des Euro, 51 Prozent lehnten sie ab. Persönliche Vorteile erwarteten lediglich 18 Prozent. Der Aussage, sie könnten sich nur schwer an das Verschwinden der D-Mark aus dem Alltag gewöhnen, stimmten 46 Prozent zu. Bei der repräsentativen Umfrage wurden 1.000 Personen befragt.

Wichtigster Vorteil: Erleichterungen beim Reisen
Den wichtigsten Vorteil des Euro sehen die Deutschen den Angaben zufolge beim Reisen. Die Gemeinschaftswährung werde das Reisen in Europa erleichtern, meinten 79 Prozent. Einen Vorteil für die deutsche oder europäische Wirtschaft sieht nur eine Minderheit. Dabei glauben 42 Prozent, dass die Nachbarländer mehr vom Euro profitieren als Deutschland.

Eurogruppe: Keine Rufe nach Intervention
Die Finanzminister der Eurogruppe haben bei ihrem Treffen in Luxemburg am Montagabend offene Rufe nach einer Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Gunsten des Euro vermieden. Der Vorsitzende der Eurogruppe, der belgische Finanzminister Didier Reynders, sagte zu Beginn der Beratungen lediglich, Interventionen seien ein Instrument.

Österreichs Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) sagte, er sehe keine aktuelle Veranlassung für eine Intervention. Der Euro hat nach Auffassung von Grasser Aufwärtspotenzial, wenn die Länder der Eurozone ihre Finanz- und Wirtschaftspolitik wirklich besser zusammenführten. Notwendig seien strukturelle Reformen.

5.6.2001 11:32