Dienstag, 5. Juni 2001

OPEC-Ölreserven kompensieren Ausfälle

Trotz des irakischen Exportstopps will die OPEC ihre Fördermenge vorerst nicht erhöhen. OPEC-Präsident Chakib Khelil aus Algerien sagte jedoch eine Sondersitzung am 3. Juli voraus.

Zugleich machte Saudiarabien als eines der wichtigsten Förderländer klar, dass die Organisation es zu keiner Angebotsknappheit auf den Weltmärkten kommen lassen werde.

Abwarten, lautet die Devise
Offenbar wollen die anderen zehn OPEC-Staaten erst einmal beobachten, wie sich der Exportstopp des Mitgliedslandes Irak auswirkt. Dieser wurde von Bagdad für einen Monat verfügt. Danach gebe es "möglicherweise" eine Sondersitzung der OPEC-Staaten, teilten die Ölminister von Kuweit und den Vereinigten Arabischen Emiraten mit. Die EU-Kommission zeigte sich derweil "besorgt" über den irakischen Exportstopp.

Die EU-Kommission appellierte an das "Verantwortungsbewusstsein" der OPEC-Staaten. Diese müssten bei ihrem Treffen in Wien "alle möglichen Maßnahmen ergreifen, um den aktuellen Preis zu halten oder ihn sinken zu lassen", sagte ein Sprecher in Brüssel. Saudi-Arabiens Öl-Minister Ali el Nuaimi versicherte in Wien, dass es zu keiner Angebotsknappheit auf den Weltmärkten kommen werde. Die Organisation habe bereits Vorkehrungen getroffen, den irakischen Anteil an der OPEC-Förderung auszugleichen.

Irak stoppt Export aus Protest gegen UNO-Sanktionen
Bagdad hatte seine Öl-Exporte am Montag aus Protest gegen das Auslaufen des Hilfsprogramms "Öl gegen Lebensmittel" eingestellt. Die Vereinten Nationen hatten zuvor beschlossen, das Hilfsprogramm nur noch um einen statt wie bisher jeweils üblich um sechs Monate zu verlängern, um Reformen der Sanktionen einzuleiten. Durch die irakische Gegenmaßnahme fällt pro Tag eine Fördermenge von rund zwei Millionen Barrel weg.

Die Reaktion: Ölpreis-Anstieg
Der Öl-Preis war deshalb am Montag in New York wieder angestiegen. Am Dienstag zeigte sich der Kurs für die Nordsee-Sorte Brent in London uneinheitlich und stand am Nachmittag mit 29,12 Dollar (34,4 Euro/473,4 S) leicht niedriger als am Montag.

Irak will seine Exporte vorerst einen Monat aussetzen, also bis zum 4. Juli. Möglicherweise könne es dann am 5. Juli ein außerordentliches OPEC-Treffen geben, sagten die Ölminister von Kuweit und den Vereinigten Arabischen Emiraten unmittelbar vor der informellen Tagung in Wien. Auf ihr sollten die Grundlinien für das offizielle Treffen festgezogen werden, das am Abend beginnen sollte.

Reserven reichen, um Ausfälle zu kompensieren
Die OPEC hat theoretisch genug Reserven, um den irakischen Förderausfall zu kompensieren. Ihre Förderkapazität liegt derzeit einschließlich Irak bei 32 Mill. Barrel pro Tag. Zuletzt lag der Ausstoß aber nur bei 27,8 Mill. Barrel. Die elf Staaten umfassende OPEC steht für 40 Prozent des weltweiten Öl-Angebots.

5.6.2001 16:53