Euro-Talfahrt etwas eingebremst

Steht eine neuerliche Intervention der Europäischen Zentralbank bevor? Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Ernst Welteke, sprach von erheblichen Reserven der EZB. Der Euro laboriert im Moment an einer anhaltenden Schwäche, die unter anderem auch der unklaren Zinspolitik der EZB angelastet wird.
Welteke: "Im europäischen System der Zentralbanken verfügen wir über und könnten mit diesen Reserven auch intervenieren, wenn wir es denn für angebracht und Erfolg versprechend hielten", sagte Welteke am Wochenende im Inforadio Berlin-Brandenburg.
"Letzte Intervention der EZB war erfolgreich"
Welteke verwies auf die erfolgreiche Intervention der Notenbanken vom vergangenen Herbst. Damals sei allen Zweiflern "gezeigt worden, dass die EZB in der Lage ist zu intervenieren, dass dafür die Beschlüsse gefasst werden können, dass sie technisch dazu in der Lage ist und dass die G7-Staaten zu gemeinsamen Interventionen in der Lage sind", betonte der Bundesbankpräsident.
Mit Blick auf EZB-Chef Wim Duisenberg hatte Welteke am Samstag hinzugefügt, Notenbanker sollten zwar darauf hinweisen, dass Interventionen zum Instrumentarium gehören; sie sollten "aber nicht darüber reden". Duisenberg war in den vergangenen Tagen in die Kritik geraten, weil er gesagt hatte, der Kurs des Euro sei "kein Ziel an sich". Dies war so interpretiert worden, dass die Zentralbank derzeit keine Intervention zugunsten des Euro-Kurses beabsichtige.
Allein die Möglichkeit der Intervention stütz Euro
Am Pfingsmontag wurden dann Äußerungen von EZB-Präsident Duisenberg für eine leichte Erholung des Euro-Kurses verantwortlich gemacht: Der Euro profitierte von der Möglichkeit einer kursstützenden Intervention der EZB, nachdem Duisenberg vor Zentralbankern und Mitgliedern des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Singapur das starke Potenzial der europäischen Gemeinschaftswährung betont hatte.
Reformen von politischer Seite sind notwendig
Außerdem forderte Duisenberg in Singapur strukturelle und fiskalische Reformen in Europa. Auf diesem Feld seien "zusätzliche Anstrengungen" nötig, sagte er am Montag auf der International Monetary Conference in Singapur. Die Geldpolitik könne nicht das Wachstumspotenzial in der Eurozone anheben, dieses sei eine Determinante struktureller und ökonomischer Bedingungen, die zu verbessern den Regierungen obliege. Erste Verpflichtung der EZB sei die Erhaltung der Preisstabilität auf mittelfristige Sicht.
Die EZB sei nicht in der Position, eine Feinsteuerung der wirtschaftlichen Aktivität in der Eurozone zu leisten, da sie die entsprechenden Instrumente dafür nicht besitze.

