Ein frischer Wind weht im Team

"Es ist das beste Team der Welt!" Der Kärntner Bernd Zobel (52) ist zwar immer noch erst beim Beschnuppern, aber der neue Abfahrtstrainer der ÖSV-Damen hat am Können seiner Speed-Queens nicht den geringsten Zweifel. Eine Woche wurde in der Türkei an Kondition und Koordination gefeilt. Renate Götschl und Co müssen schon ab 10. August beim Sommertraining in Chile in Weltup- und Olympiaform sein.
Bei 30 Grad im Schatten der riesigen Sirene City-Klubanlage in Belek bekamen die Skimädchen freilich wenig mit vom "Magic Life" im beliebtesten Ferienklub der Österreicher. Die exklusiven Golfplätze wurden ebenso links liegen gelassen wie die drei Pool-Anlagen und die halbe Arbeit war meist schon erledigt, bevor die normalen Feriengäste überhaupt zum Frühstück kamen.
Spaß ist zurück gekehrt
Es weht ein frischer, sanfter Wind im Damenteam, das im vergangenen Winter trotz WM-Abfahrtsgold durch Michaela Dorfmeister doch arg zerzaust wurde. Der Spaß ist zurück gekehrt, nach den Grabenkämpfen zu Saisonende herrscht zumindest vorsichtige Ruhe. Der bei einigen umstrittene Cheftrainer Karl Frehsner agiert dezent im Hintergrund, Schaffer-Nachfolger Zobel sorgt für eine partnerschaftliche Stimmung.
Zirkusreif
Getankt wurde nicht nur Kondition, sondern auch Koordination. Jonglieren, Balancieren , und Geschicklichkeitsübungen wurden so forciert, "dass wir fast schon im Zirkus auftreten können", wie Brigitte Obermoser mit schmerzverzerrtem Gesicht bemerkte. Ihr sehenswerter Vorwärtssalto vom Mountanbike hat zwar einem einheimischen Hund eine Verletzung erspart, der Salzburgerin aber schmerzhafte Schürfwunden und wenig Applaus eingebracht.
Distanz gefunden
Drei Monate sind seit dem enttäuschenden Weltcup-Finale in Aare vergangenen, im idyllischen Feriendorf war es zudem leicht, Distanz zu den Querelen des WM-Winters zu finden.
Frehsner: Er hat zwar den internen "Machtkampf" gegen Abfahrts-Coach Burkhard Schaffer gewonnen ("Wenn es um er oder ich geht, bleibt meist der ich auf der Strecke"), gibt sich aber ungewohnt diplomatisch. "Ich könnte schon morgen wieder mit ihm zusammen arbeiten, er ist ja ein guter Mann", sagt Frehsner schmeichelnd, stellt aber auch klar: "Jeder Mensch ist ersetzbar und das schneller als er glaubt, das gilt auch für mich."
Tanja Schneider: Die Osttirolerin bereut ihre harten Worte von der Heim-WM nicht, möchte das ganze aber am liebsten endgültig vergessen. Die neuen Trainer sieht sie positiv, "weil das immer neu motiviert." Besonders taugt ihr, dass Walter Hlebayna nun in der Abfahrtstruppe für das Techniktraining sorgt. "So viel hat schon lange keiner mit mir geredet."
Renate Götschl: Hat im Ärger über die internen Querelen Freundin Janica Kostelic (die schon wieder operiert wurde und erst im September auf Ski darf) in Aare den Weltcup fast kampflos überlassen und bleibt ihrem Motto treu: "Ich nehme mir, was ich brauche."
Michaela Dorfmeister: Die Abfahrts-Weltmeisterin will auch Olympia-Gold. Bleibt nur zu hoffen, dass sich damit nicht Rücktritts-Gedanken einschleichen.
Alexandra Meissnitzer: Anhaltende Knieprobleme, fehlte daher in der Türkei, weil sie sich wie Christiane Mitterwallner in Rif eine Spezial-Therapie unterzieht. Kämpft weiter ums Comeback.
Steffi Schuster: Kann erstmals seit zwei Jahren ein Sommertraining mitmachen, müsste daher in ihrer letzten Saison so gut sein wie lange nicht. Hört nach der Wintersaison definitiv auf.
Christine Sponring: Mit 17 Jahren zu WM-Silber und neuer Hoffnung auf den Weltcup. Musste bisher aber alle Konditionskurse "spritzen", weil sie derzeit in Stams die Handelsschule beendet und demnächst mit der Grundausbildung beim Bundesheer beginnt.
