Samstag, 9. Juni 2001

"Der Kampf ist nichts als Müll"

"Ali-Frazier" - Das war Boxen vom Allerfeinsten. Doch was ihre Töchter veranstalten, ist Müll, nichts als Müll", zeigte sich nicht nur der zahlreiche Ali-Kämpfe promotende Bob Arum entsetzt.

Der Acht-Runden-Fight wird im Pay-Per-View-Fernsehen für 24,95 Dollar (29,21 Euro/400 S) ausgestrahlt. HBO-Chefreporter Larry Merchant meinte gar: "Demnächst wird noch gezeigt, wenn Hillary Clinton gegen ein Känguru kämpft."

"Ali - Frazier IV"
Der Titel des Kampfs klingt verheißungsvoll. Doch den früheren Schwergewichts-Weltmeistern Muhammad Ali und Joe Frazier können die 23-jährige Laila Ali und die 16 Jahre ältere Jacqui Frazier-Lyde mit ihrem Revival 30 Jahre nach dem ersten von drei Duellen ihrer Väter sportlich nie das Wasser reichen. Als Preisboxerinnen besitzen sie keine Klasse, obwohl sie unbezwungen sind: Laila Ali neun Mal, Jacqui Frazier-Lyde sieben Mal.

Kampf ohne die Väter?
Muhammad Ali wird nicht kommen. Sein einstiger Erzrivale Joe Frazier weiß noch nicht, ob er die Reise antreten wird. Ihren Töchtern Laila Ali und Jacqui Frazier-Lyde ist es derweil egal, ob ihre berühmten Väter ins "Turning Stone Casino" von Verona (US-Bundesstaat New York) kommen werden. An diesem Tag wollen sie die Reihe der legendären Schlachten ihrer Schöpfer fortsetzen.

Mit dem Mundwerk den Vätern gleich
Eins haben die Supermittelgewichtlerinnen außer dem Nachnamen und der Hautfarbe mit ihren Väter aber noch gemeinsam: Das schrille, laute Mundwerk. "Die alte Mutter wird ihr blaues Wunder erleben. Ich werde ihr das große Maul stopfen. Ich bedaure schon jetzt ihre Kinder, die sich in der Schule anhören müssen: Deine arme Mutter ist ja schlimm verprügelt worden. Wird sie denn das überleben?", tönte die jüngste Ali-Tochter. Süffisant lächelnd konterte die in Philadelphia lebende Mutter von drei Kindern: "Du warst schön, bist du mich getroffen hast. Ich werde dir ganz dicken schwarzen und blauen Lidschatten verpassen und dir deinen Hintern derart versohlen, dass du nie mehr sitzen kannst."

"Thriller in Manila" wird fortgesetzt
Die promovierte Rechtsanwältin, die sich in Verehrung ihres Vaters "Sister Smoke" nennt, versicherte, sie werde die 15. Runde vom "Thriller in Manila" komplettieren. Am 1. Oktober 1975 hatte sie als Zwölfjährige weinend am Ring miterlebt, wie ihr Daddy im dritten Vergleich mit Ali nach 14 brutalen Runden den dramatischen Fight nicht fortsetzen konnte. Laila Ali, die "Queen Bee", kann der schillernden Vergangenheit nichts abgewinnen. "Was soll das Gequatsche von Gestern? Vergesst die Geschichten. Ich bin die neue Heldin, ihr werdet es erleben", posaunte die Kosmetikerin und einstige Besitzerin eines Nagelstudios in marktschreierischer Pose.

Erst die Hälfte der Karten verkauft
In einer Umfrage der Zeitung "US-Today" meinten fast 50 Prozent, dass sie keinen Cent bezahlen, um den Kampf im TV zu sehen. Bisher sind auch erst die Hälfte der bis zu 300 Dollar teuren 8.000 Eintrittskarten verkauft worden. Allerdings hätten sich über 300 Medienvertreter aus 14 Ländern akkreditieren lassen, um beim höchstdotierten Kampf in der Geschichte des Frauenboxens live dabei zu sein. Die Namen sind nun mal Programm, sie lassen sich bestens vermarkten. Erstmals geht es um Millionen-Börsen. Dafür hat Jacqui Frazier-Lyde gern über 40 Pfund abgespeckt, um unter die geforderten 76,2 kg zu kommen. Erst im Herbst 1999 begann sie unter Obhut ihres 57-jährigen Vaters zu boxen.

Nur eine Show?
Laila Ali, trainiert und gemanagt vom Ehemann John McClain, einem früheren Cruisergewichts-Weltmeister, streifte einige Monate eher die Fäustlinge über. Die Qualität ihrer Gegnerinnen unterschied sich jedoch nicht. Ihre vorletzte Kontrahentin war eine 48 Jahre alte Ex- Prostituierte, die sich nach dem K.o. mit ihren 800 Dollar Börse freiwillig einer Drogen-Entziehungskur stellte. Wer von den beiden wortgewaltigen Frauen jetzt erstmals verliert, sei im Grunde genommen egal, wird behauptet, denn "Ali - Frazier V" wäre bereits in Arbeit.

9.6.2001 08:05