Samstag, 9. Juni 2001

SPEZIAL: Alles über die Österreich-Rundfahrt

Italien ist nicht Österreich, auch nicht bei den Anti-Doping-Gesetzen. Eine nächtliche Razzia, wie sie die Fahrer beim Giro d´Italia erleben mussten, ist in der Alpenrepublik deshalb undenkbar.

Italien hat die strengsten Anti-Doping-Gesetze Europas. Auf Grundlage des im Vorjahr verabschiedeten Gesetzes werden dort nicht nur Doping-Dealer mit bis zu sechs Jahren Gefängnis bestraft, sondern auch gedopte Sportler mit bis zu drei Jahren. Ähnlich strenge Bestimmungen gibt es nur noch in Frankreich.

Tests auch bei der Ö-Rundfahrt
Dopingkontrollen werden während der Österreich-Rundfahrt natürlich dennoch durchgeführt. Laut Bestimmungen des Weltverbandes (UCI) kommt ein internationaler Kommissar, diesmal aus der Schweiz, und führt gemeinsam mit dem vom Anti-Doping-Komitee entsandten österreichischen Anti-Doping-Arzt jeden Tag nach den Etappen Kontrollen in Form von Urintests durch. Es werden jeweils der Etappensieger, der Träger des Gelben Trikots sowie zwei bis drei ausgeloste Fahrer zum Test gebeten.

Auch Bluttests möglich
Zusätzlich könnten auch Bluttests zur Kontrolle des Hämatokritwertes durchgeführt werden. Diese würden jedoch von einer eigenen Kommission des Weltverbandes UCI unangekündigt erfolgen. Bei dieser mittlerweile üblich gewordenen Vorgangsweise werden Fahrer mehrerer Teams vor dem Start kontrolliert. Sollte bei einem Fahrer der Grenzwert von 50 überschritten werden, so wird der Betroffene aus "gesundheitlichen" gründen (Gefahr von Thrombosen wegen des dickflüssigen Blutes) für rennunfähig erklärt und muss zwei Wochen pausieren.

EPO-Nachweis mit Urintest
Das gilt zwar nicht als nachgewiesenes Doping, es lässt aber auf eine Einnahme des verbotenen, künstlich hergestellten Hormons EPO schließen. Seit April ist es nun möglich, das körperfremde EPO mittels Urintest nachzuweisen. Die Urintests werden stichprobenartig auch in Trainingsphasen durchgeführt oder bei Fahrern, deren Hämatokritwert zu hoch war, um einen Beweis für die EPO-Einnahme zu erbringen. Die Auswertung der Tests ist aber derzeit nur in zwei Labors möglich (Paris und Lausanne). Wegen deren Überlastung mussten etwa vier Fahrer, die bei der Friedensfahrt den Grenzwert überschritten hatten, erst gar nicht zum Urintest.

9.6.2001 13:46