"Wo sind die Polizisten?"

Terrorangst überschattet das WM-Quali-Spiel zwischen Israel und Spanien in der Österreich-Gruppe. Bei der Ankunft der Iberer in Israel verlief alles reibungslos, doch Raul & Co haben nur einen Wunsch: "Gesund nach Hause fahren."
Gleich bei der Ankunft auf dem Flughafen von Tel Aviv erlebten Spaniens Fußballer (im kl. Bild Oscar Tellez Gomez und Juan Francisco Garcia) in Israel eine Überraschung. "Wo sind denn all die Polizisten?", fragten sich einige. Die Spanier hatten ein riesiges Aufgebot an Sicherheits-Kräften erwartet, welches sie vor möglichen Terroranschlägen schützen sollte. Doch dann bekamen sie nur ein paar Uniformierte zu sehen.
Hauptsache heil und gesund
"Die Sicherheitskräfte sind da. Aber sie zeigen sich nicht und tragen Zivil", wurde den Iberern von israelischer Seite mitgeteilt. Einigen Spielern stand die Angst vor Terroranschlägen ins Gesicht geschrieben. "Wir alle wussten, wohin die Reise ging. Jetzt ist die Hauptsache, hier wieder heil und gesund rauszukommen", sagte Abwehrspieler Miguel Angel Nadal und brachte damit die Dinge auf den Punkt.
Nach dem Anschlag eines palästinensischen Selbstmordtäters am Freitag hatte der spanische Fußballverband RFEF erwogen, die Reise ganz abzusagen. Aber dann erhielten die Spanier von Israel Sicherheitsgarantien. Zudem bat die Madrider Regierung die Fußballer darum, als "Geste der Solidarität mit Israel" an der Reise festzuhalten. "Für die spanische Seleccion geht es in Tel Aviv nicht nur um ein Fußballspiel, sondern auch um eine diplomatische Mission", meinte die Zeitung "El Mundo" am Dienstag.
Terror-Pschose
Unter den spanischen Fußballern herrschte laut "El Pais" fast schon eine Terror-Psychose. Dazu dürfte auch der "Handy-Effekt" beigetragen haben. "Zuerst ruft die Freundin an. Dann melden sich die Mutter, der Bruder und die Freunde", meinte einer der Spieler. "Und alle sagen, dass sie sich Sorgen machen." Tel Aviv erlebten die Spanier als eine Stadt, in der ein scheinbar normales Leben herrschte. "Vor dem Hotel am Strand sind mehr Badende als Polizisten zu sehen", berichtete der Korrespondent des Sportblattes "As". Spaniens Botschafter Juan Carlos Barcenas beruhigte die Nationalspieler mit den Worten: "Das erste Wort, das man in Israel lernt, ist Sicherheit. Die Regierung weiß, was sie tut."
So ganz schien man aber dem Frieden doch nicht zu trauen. Das Flugzeug der spanischen Linie Iberia, das die Spieler nach Israel gebracht hat, bleibt bis zur Abreise in Tel Aviv geparkt. So besteht im Notfall die Möglichkeit, dass die Spanier bei einer Zuspitzung der Lage das Land rasch verlassen können. Für das Spiel am Mittwoch waren bis Montag erst 30.000 der 43.000 Karten verkauft worden. Israels Fußball-Verband führte dies auf die Angst vor möglichen Anschlägen zurück. Normalerweise hätten die Israelis sich darum gerissen, die spanischen Stars um Raul und Gaizka Mendieta zu erleben.
