Montag, 4. Juni 2001

"Es ging so schnell vorbei. Ich bin nicht einmal müde"

Weltklasse-Leistungen gab es beim Grand Prix II in Portland (US-Bundesstaat Oregon) am Sonntag kaum zu bewundern. Dafür waren zahlreiche Leichtathleten um so frustrierter und verärgerter. Auslöser des Unmuts waren die erstmals bei dieser Art von Meeting getesteten neuen Regeln des Weltverbandes (IAAF).

Im Stabhochsprung durften pro Höhe nur zwei statt drei Versuche absolviert werden. In den Wurfdisziplinen waren nur noch vier statt der üblichen sechs Versuche erlaubt.

"Es ging so schnell vorbei. Ich bin nicht einmal müde. Ich fühle überhaupt nicht, dass ich gesprungen bin. Das ist ein völlig anderer Wettkampf. Das Ganze ist lächerlich", wetterte die amerikanische Olympiasiegerin und Weltmeisterin Stacy Dragila. Die Weltrekordlerin gewann im Stabhochsprung mit enttäuschenden 4,51 m. Mit dieser Wettkampfform werde sie ihren Weltrekord von 4,70 m nicht verbessern können, ist sich Dragila sicher und klagte: "Man bekommt kein Gefühl für den Wettkampf." Ihr Wettbewerb dauerte nur 45 Minuten.

Stabhochsprung-WMeister: "So kann man nicht mehr teilnehmen!"
Noch schneller waren die Stabhochspringer fertig. Sie benötigten lediglich 28 Minuten. Vier Athleten scheiterten dabei schon an ihrer Anfangshöhe, darunter Hallen-Weltmeister Lawrence Johnson (5,75 m). "Ich hoffe, die Funktionäre bekamen, was sie wollten. Wenn sich das nicht wieder ändert, kann man an einem solchen Wettkampf nicht mehr teilnehmen", kündigte Johnson seinerseits Konsequenzen an. Wettbewerb und die Siegprämie von 3.000 Dollar gingen an seinen Landsmann Pat Manson, der 5,35 m überquerte.

Petition an IAAF
Wie schon vor einer Woche beim Grand Prix in Eugene haben einige Athleten erneut eine Petition an die IAAF verfasst, damit die neuen Regeln rückgängig gemacht werden. Dazu zählt auch die Fehlstart-Regelung. Sie sagt aus, dass künftig der Athlet schon nach einem Fehlstart disqualifiziert wird. Die neuen Regeln sollen auf dem IAAF-Kongress vor den Weltmeisterschaften im August in Edmonton beschlossen werden.

Ergebnisse in Portland
Das beste Ergebnis in Portland erzielte LaTasha Jenkins. Über 200 m blieb die Amerikanerin 6/100 Sekunden unter ihrer Jahresweltbestzeit. Ihre 22,40 Sekunden wurden jedoch von zu viel Wind (2,9 m/s) unterstützt. Auch die Zeiten über 110 Hürden können deshalb keinen Eingang in die Bestenlisten finden. Dawane Wallace gewann in 13,44 Sekunden (2,2 m/s) vor Hallen-Weltmeister Terrance Trammell (13,45) und Olympiasieger Allen Johnson (13,47).

Über 200 m der Männer war Shawn Crawford (alle USA) in 20,40 Sekunden nicht zu schlagen. Kaltourma Nadjina (Tschad) lief über die Stadionrunde in 50,75 Sekunden die viertschnellste Zeit in diesem Jahr. Mike McDonald (Jamaika) siegte über 400 m der Männer in 44,85 Sekunden. Das Diskuswerfen der Männer entschied Olympiasieger Virgilius Alekna (Litauen) mit 66,74 m vor Adam Setliff (USA/65,27) für sich.

Ergebnisse im Detail: GP II-Meeting Portland

Männer:
200 m: 1. Shawn Crawford (USA) 20,40 Sek.
400 m: 1. Mike McDonald (JAM) 44,85 Sek.
800 m: 1. Khadevis Robinson (USA) 1:46,04 Min.
110 m Hürden: 1. Dawane Wallace (USA) 13,44 Sek. (2,2 m/s)
3.000 m Hindernis: 1. El Arbi Khattabi (MAR) 8:12,95 Min.
Stabhochsprung: 1. Pat Manson (USA) 5,35 m
Diskuswerfen: 1. Virgilius Alekna (LIT) 66,74 m

Frauen:
200 m: 1. LaTasha Jenkins (USA) 22,40 Sek. (2,9 m/s)
400 m: 1. Kaltourma Nadjina (Tschad) 50,75 Sek.
800 m: 1. Tina Paulino (MZB) 1:59,15 Min.
3.000 m: 1. Meseret Defar (ETH) 8:52,47 Min.
100 m Hürden: 1. Jenny Adams (USA) 12,78 Sek. (2,1 m/s)
Stabhochsprung: 1. Stacy Dragila 4,51 m - 2. Kellie Suttle (beide USA) 4,41 m

GP-Wertung Stabhoch: 1. Tatjana Grigoriewa (AUS) 25,5 Punkte - 2. Dragila 18,0 - 3. Melissa Mueller (USA) 15,5 - 4. Doris Auer (AUT) 14,0

GP Frauen Gesamt: 1. Grigoriewa 25,5 ... 13. Auer 14,0

4.6.2001 11:54