Vom trauernden Vater zum Gegner der Todesstrafe

Bud Welsh hätte jedes Recht darauf, Timothy McVeigh die Hölle zu wünschen. Beim Anschlag von Oklahoma City verlor er seine Tochter Julie Marie, die damals 23 Jahre alt war. Doch den Katholiken treiben keine Rachegelüste gegen den Attentäter.
In den vergangenen sechs Jahren hat sich sein Leben grundlegend verändert. Vom trauernden Vater wandelte sich Welsh zu einem der aktivsten Todesstrafengegner in den USA.
In den Tagen nach dem Attentat, bei dem 168 Menschen getötet und mehr als 600 verletzt wurden, erfüllte den Besitzer einer Autowerkstatt ein unbändiger Hass auf McVeigh. Am liebsten hätte er ihn auf dem Marktplatz hängen sehen, berichtet er. Seinen Kummer betäubte er mit der Flasche. Dann besann er sich auf seinen Glauben - und darauf, dass er als Katholik eigentlich schon immer gegen die Todesstrafe war.
Welsh: Hinrichtung treibt nur Spirale der Gewalt an
Heute ist Welsh mehr denn je davon überzeugt, dass die Hinrichtung des Attentäters niemandem nutzt, sondern die Spirale der Gewalt nur noch weiter antreibt. "Es geht um nichts anderes als Rache", sagt der 61-Jährige. "Ihn aus seinem Käfig zu holen und zu töten, wird niemandem Frieden bringen." McVeigh verhalte sich wie ein kleiner Junge, der in seiner Rhetorik gefangen sei. Er habe ihm verziehen, auch wenn er ein "Schweinehund" sei.
Beim Einsatz gegen die Todesstrafe hat Welsh eine Reihe neuer Freunde gewonnen. Zu ihnen zählt die Ordensschwester Helen Prejean, Autorin des von Hollywood verfilmten Buchs "Dead Man Walking". Engen Kontakt pflegt er auch zu McVeighs Vater Bill. Die beiden Männer sind im gleichen Alter und gehören beide der katholischen Kirche an.
"In fünf bis sechs Jahren ist die Todesstrafe abgeschafft."
Welsh tritt bei durchschnittlich 400 Veranstaltungen im Jahr auf, um für die Abschaffung der Todesstrafe zu werben. Am Montag wird er in Terre Haute sein, aber nicht als Zuschauer. Mit seiner Anwesenheit in der Nähe der Todeskammer will er darauf aufmerksam machen, dass nicht alle Hinterbliebenen den Tod des Attentäters wünschen. Danach will er seine Anstrengungen verdoppeln, um die Zweifel der US-Öffentlichkeit am gerichtlich verordneten Töten zu verstärken. Welsh ist optimistisch: "In fünf bis sechs Jahren ist die Todesstrafe abgeschafft."
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