FORMAT-Interview: "Nichts als die Wahrheit"

Josef Kleindienst, Enthüller der FPÖ-Spitzelaffäre, über den Vorwurf der Blauen, er habe den Skandal aus Rache an der FPÖ erfunden, und seine Strategien, die Causa vor Gericht zu bezeugen.
Zur Person: Josef Kleindienst, 37, Ex-Polizist, hat mit seinem Buch und einem FORMAT-Interview vergangenen Oktober die FPÖ-Spitzelaffäre enthüllt. Ende Juni soll er vom U-Richter einvernommen werden, dann wird über Anklagen entschieden.
FORMAT: Herr Kleindienst, in der Spitzelaffäre gibt es Verfahrenseinstellungen am laufenden Band. Bricht die Causa, wie die FPÖ immer sagt, wie ein Kartenhaus in sich zusammen?
Kleindienst: Dass es die Spitzelaffäre gibt, bestreitet niemand ernsthaft. Sogar Jörg Haider gibt zu, dass es sie gibt. Ich zitiere aus einem Brief Haiders an das Landesgericht St. Pölten: "... ergibt sich daraus, dass der Beklagte (Kleindienst; Anm.) zum einen selbst in der Spitzelaffäre auf Auftrag hin tätig war und daher weiß, wer keinesfalls seine Auftraggeber und deren Gehilfen sind." Haider bestreitet nur, dass er selbst involviert und der Anstifter war. Also kann die Spitzelaffäre gar nicht zusammenbrechen.
FORMAT: Wenn Haider nicht der Anstifter war, wer war es dann? Die Wiener FP-Politiker Hilmar Kabas und Michael Kreißl?
Kleindienst: Wenn ich jetzt Namen nenne, erhöhe ich nur die Zahl der Klagen. Das habe ich nicht vor. Bis vor einigen Tagen waren es 22 Stück.
FORMAT: Der Chef der Strafrechtssektion im Justizministerium, Werner Pürstl, meint, Sie müssten bei Ihrer Aussage vor dem U-Richter konkrete Beweise vorlegen, sonst sei die Suppe zu dünn.
Kleindienst: Versuchen wir zwei Dinge auseinanderzuhalten. Erstens: Es gibt die Spitzelaffäre, dafür gibt es genug Fakten. Das von den AUF-Polizisten zur Verfügung gestellte Material wurde jahrelang von Politikern verwendet. Haider selbst gibt ja zu, dass es Auftraggeber und Auftragnehmer gegeben hat. Zweitens geht es um die Frage, was davon beweisbar ist, und darum, ob die Staatsanwaltschaft genügend Beweise gesammelt hat, dass sie damit vor Gericht ziehen kann.
FORMAT: Sind bei den Ermittlungen Fehler passiert?
Kleindienst: Immerhin ist wochenlang gegen eine Regierungspartei sehr gut ermittelt worden. Ich kann mich nicht erinnern, dass es früher so etwas gegeben hat.
FORMAT: Haben Sie es schon einmal bereut, die Affäre enthüllt zu haben?
Kleindienst: Ich würde es wieder machen. Ich war zwanzig Jahre Polizist, habe diesen Beruf aus Idealismus gewählt und bin dann irgendwann in einen Bereich abgerutscht, der nicht mehr vom Beamteneid gedeckt war. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, dass ich zu meinem Abschied alles in Ordnung bringen muss. Ich würde die Spitzelaffäre wieder enthüllen, aber vielleicht auf eine andere Art.
Das vollständige Interview mit Josef Kleindienst finden Sie im aktuellen FORMAT.
Familiendrama in St. Pölten21:30
Vater schießt auf SohnUnfassbarer Vorfall in Volksschule Wagram. Auch Tochter aus Klasse geholt
Canyoning-Unfall20:30
Zwei TodesopferTeilnehmer einer Gruppe stürzen in Bachbett - Beide erleiden tödliche Verletzungen
Fleischfressende Bakterien10:56
Angst vor Killer-KeimenStudentin in den USA ringt ums Überleben - Expertin klärt auf: Fälle auch in Österreich
