Dienstag, 5. Juni 2001

"Niemand wird mit Privat-TV Geld verdienen"

Kanzler Schüssel in der Klemme: 2002 will er in Österreich Privat-TV starten – aber ernsthafte Interessenten gibt es nicht. Die TV-MEDIA-Umfrage macht die Zweifel der Medienbosse evident.

Geht es nach den Plänen von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, werden im August dieses Jahres großflächige Inserate in den heimischen Tageszeitungen platziert, die potenzielle Interessenten offiziell zur Bewerbung um heimisches Privat-TV einladen. Der Subtext der Inserate wird freilich lauten: Privat-TV verzweifelt gesucht!

Denn nach mehr als 20 Jahren Diskussion um heimisches und per Hausantenne zu empfangendes Privatfernsehen ist das Interesse an einer Privat-TV-Lizenz bei österreichischen wie internationalen Medienkonzernen praktisch erloschen.

Wolfgang Schüssels Vorhaben, sich mit neuem ORF-Gesetz und Privat-TV-Gesetz als der Regierungschef in die Geschichtsbücher zu schreiben, der kommerzielles Fernsehen möglich machte, ist – das ergibt die aktuelle TV-MEDIA-Umfrage unter den wichtigsten Medienmachern Österreichs und Deutschlands – längst gescheitert.

Konkret: Kaum ein Medienkonzern will sich um die nationale TV-Lizenz bewerben.

Allen voran bekräftigt Kronen-Zeitungs-Chef Hans Dichand seine klare Absage ans Privat-TV: "Ich werde mich nicht engagieren, sehe keine wirtschaftlichen Möglichkeiten für privates Fernsehen."

Gerhard Zeiler, Geschäftsführer des deutschen TV-Marktführers RTL – mit Hans Dichand über die gemeinsamen TV-Werbefenster von RTL & Co verbunden –, winkt ebenfalls ab: "Das Medienpaket hilft weder dem ORF noch dem Privat-TV. Die Regierung hat sich zwischen zwei Stühle gesetzt. So wie’s jetzt ausschaut, hat RTL kein Interesse am Privat-TV."

Verlängert wird der Absagereigen von heimischen Tageszeitungsverlegern, die durch die Bank den Schritt ins Privatfernsehen scheuen. Horst Pirker, Vorstand des Styria-Konzerns (Kleine Zeitung, Die Presse): "Wenn der Regierungsentwurf bis zum Parlamentsbeschluss nicht mehr verändert wird, bewegt sich Privat-TV an der Grenze zur Unmöglichkeit."

Einziger Interessent: TV-Konzern SBS
Der einzige Kandidat fürs neue Privatfernsehen ist demnach der Münchner Filmhändler Herbert Kloiber, der mit dem skandinavischen TV-Konzern SBS, dem Kabelnetzbetreiber UPC und der BAWAG den brustschwachen Kabelsender ATV (3 % Kabelmarktanteil) betreibt.

Die ausführliche Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von TV-MEDIA.

5.6.2001 14:57