"Ditz schiebt eigene Schuld anderen zu"

Während Telekom-Aufsichtsrat Johannes Ditz krampfhaft nach einem Nachfolger für den am 6. Mai abzulösenden Heinz Sundt sucht, wird nun Kritik an ihm selbst laut: "Das Problem heißt Ditz", erklärt Erich Huhndorf, oberster
Telekom-Gewerkschafter, im FORMAT-Interview.
FORMAT: Sie wehren sich vehement gegen die Absetzung von Telekom-Chef Sundt.
Huhndorf: Ja, wir kündigen allen Kapitalvertretern im Aufsichtsrat Haftungsklagen wegen Schädigung des Unternehmens an. Die Absetzung von Sundt und Finanzchef Colombo würde fast hundert Millionen kosten. Und wir streiten seit Monaten um lächerliche sechs Millionen bei der Zusatzpensionsregelung.
FORMAT: Sie wollen Sundt halten?
Huhndorf: Es geht uns nicht um die Person, sondern ums Prinzip. Wenn das jetzt durchgeht, hat dieses Haus in wenigen Jahren vierzehn Vorstände verbraucht - mit einer durchschnittlichen Dienstzeit von acht Monaten. Das Problem liegt ganz woanders.
FORMAT: Und zwar wo?
Huhndorf: Das Problem heißt Ditz. Solange er Präsident ist, wird keine Ruhe im Unternehmen einkehren. Er braucht jedes Jahr ein paar, denen er die Schuld für seine eigenen Fehler zuschieben kann.
FORMAT: Er hat Sie mit seinem Wunschkandidaten Ernst Häberli zusammengebracht. Was halten Sie von dem?
Huhndorf: Ich habe nichts gegen Herrn Häberli. Aber wer immer kommt, braucht Fachwissen. Das kann einer nicht haben, der Fast food in Südamerika verkauft hat. Und auch ein Häberli kann die Beamten bei uns nicht in Luft auflösen.
FORMAT: Was wollen Sie tun, wenn der Aufsichtsrat den Wechsel durchdrückt?
Huhndorf: Wir haben uns zurückgehalten, weil jeder Streik Kunden zur Konkurrenz treibt. Aber wenn man uns zwingt, sind wir zu allem bereit.
FORMAT-Spezial: Warum Sundt soviel kassiert
Wird Telekom-Chef Heinz Sundt (gr. Bild hinter einem Taschentuch) nächste Woche von der ÖIAG abmontiert, kostet das Geld, sehr viel Geld. Sundt verdient 6,5 Millionen Schilling brutto pro Jahr. Sein Vertrag läuft noch vier Jahre. Macht demnach 26 Millionen. Dazu kommen fünfzig Prozent Erfolgsprämie, die dem TA-General auch ausbezahlt werden muss. In Summe schon fast vierzig Millionen. Mit sechs Millionen stehen die Aktienoptionen zu Buche. Laut Vertrag müssen außerdem die Kosten für Dienstwagen, Chauffeur, Büro und Sekretärin für vier Jahre abgelöst werden. Macht nochmals sechs Millionen.
Laut Berechnungen der Gewerkschaft werden 52 Millionen fällig. Da Sundt nicht freiwillig geht und ihm keine groben Managementfehler vorzuwerfen sind, hat er keine Veranlassung, auf Teile seiner Ansprüche zu verzichten.
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