Luxus total im Großraum-Airbus

Der Turbo unter den Flugzeugen: Der Name Sonic Cruiser bedeutet übersetzt eigentlich "schallschneller Kreuzer". Trotzdem handelt es sich beim neuen Boeing-Überflieger um einen Jet, der nur nahezu Schallgeschwindigkeit erreicht. Den beeindruckenden Daten des Fliegers tut dies jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil.
Wenn Boeing-Präsident Harry C. Stonecipher das Wort "Sonic Cruiser" ausspricht, glänzen die Augen des Business-Mannes Mitte sechzig wie die eines kleinen Jungen, der vom ersten Anblick seiner Eisenbahnlok an Lokomotivführer werden möchte. Kein Wunder, ist doch der Sonic Cruiser für ihn und Boeing der Hoffnungsstern am weltweiten Flughimmel: um für Boeing-Passagiere mit Schallgeschwindigkeit die ganze Welt zum Dorf zu machen. Und damit den immer mehr drängelnden europäischen Konkurrenten Airbus endgültig auf Platz zwei zu verweisen.
Fünf Stunden früher in Australien
Die Fluggeschwindigkeit von 0,95 Mach, das sind 95 Prozent der Schallgeschwindigkeit oder 1.010 Kilometer pro Stunde, bringt die USA gleich um zwei Flugstunden näher an Europa. Statt neuneinhalb müssen Reisende in Zukunft nur mehr siebeneinhalb Stunden für den Flug zwischen Wien und Los Angeles einrechnen.
Seine Reichweite von mindestens 18.500 Kilometern macht die Welt zum Dorf. Wer heute von Europa nach Australien schwebt, kommt ohne Tank-Zwischenlandung nicht ans Ziel. Der Sonic Cruiser bewältigt die Distanz auf die andere Seite des Globus locker nonstop – was in Summe mit einer gigantischen Flugzeitersparnis von fünf Stunden zu Buche schlägt.
Die Basis für den luftigen Geschwindigkeitsrausch ist die aerodynamische Delta-Form der Tragflächen. Deren Bau war selbst für den weltgrößten Flugzeugbauer kein leichtes Unterfangen, so der Boeing-Chef im NEWS-Interview: "Wir konnten aus aerodynamischen Gründen lange kein Flugzeug dieser Art konstruieren. Aber jetzt schauen die Ergebnisse aus dem Windkanal sehr gut aus."
Kampf der Giganten der Lüfte
Sicher ist, für Boeing war es hoch an der Zeit, ein neues Flugzeug zu präsentieren. Nach über 30-jähriger Dominanz bei Jumbojets hatte Airbus mit der im letzten Jahr präsentierten A380 den Markt auf den Kopf – und Boeing in den Schatten – gestellt. Das neue Prunkstück von Airbus verkaufte sich bis dato gleich 62-mal, während Boeing mit seiner Konkurrenzvariante keine Abnehmer fand.
Da half nur eine neue Strategie: Nicht Klingen kreuzen, sondern Markt teilen. Während Airbus seine ganze Kraft in das neue Großraumflugzeug investiert, setzt Boeing im Kampf um den wachsenden Markt auf Reichweite und Schnelligkeit. Welche Strategie wirklich dem Trend der Luftlinien entspricht, wird erst die Zukunft weisen. Klarheit gibt es spätestens 2008, wenn sich der schallschnelle Vogel Sonic Cruiser in die Lüfte schwingen soll.
Das Exklusiv-Interview mit dem Boeing-Chef lesen Sie im neuen NEWS.

