Freitag, 1. Juni 2001

Entscheidung nach stundenlangen Vernehmungen

Im Zusammenhang mit den Insolvenzen der Firmengruppe Steiner wurde von der zuständigen Untersuchungsrichterin am Landesgericht Wels Freitag Abend die Untersuchungshaft über den früheren Vorstandsvorsitzende Alfred Steiner sowie zwei frühere führende Mitarbeiter verhängt. Die Entscheidung darüber fällte sie nach stundenlangen Vernehmungen der drei im landesgerichtlichen Gefangenenhaus

Sie waren bereits seit Mittwoch dieser Woche in Haft. Es bestehe laut Staatsanwaltschaft der Verdacht des schweren gewerbsmäßigen Betruges und der betrügerischen Krida.

Darüber hinaus bestand seit Donnerstag ein internationaler Haftbefehl gegen den Seniorchef des Unternehmens, Leopold Steiner, der sich im Ausland aufhalten dürfte. Der Verdacht gegen den Seniorchef gehe, so die Staatsanwaltschaft, ebenfalls in Richtung der betrügerischen Krida, des schweren Betrugs und der Untreue.

Der Anwalt von Leopold Steiner, Otto Urban, hatte den Haftbefehl gegen seinen Mandanten als nicht gerechtfertigt und die Fahndung als "völlig überflüssig" bezeichnet, weil er sich derzeit nur auf Urlaub im Ausland befinde, er spätestens am Dienstag nach Pfingsten wieder zurück komme und dann zur Verfügung stehe. Auch bezüglich seines Mandanten Alfred Steiner hatte der Anwalt Urban alle Vorwürfe zurück gewiesen. Für alle Involvierten gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Größte Pleite der Zweiten Republik
Zwei Konkursanträge und zwei Anträge auf Ausgleich: Dies meldete die Firmengruppe Steiner - mit Zentrale in Ebensee in Oberösterreich - am Dienstagnachmittag offiziell beim Landesgericht Wels an. Damit ist eine der größten Pleiten der Zweiten Republik definitiv. Das teilte der Kreditschutzverband mit.

Die Überschuldung der Steiner-Firmengruppe - sie ist spezialisiert auf Freizeitmöbel und auf Kunststoff-Logistik - liegt laut Angaben des Unternehmensanwalts Georg Unger bei 1,5 Mrd. S (109 Mill. Euro) . Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) nannte am Dienstag allein für die beiden Firmen Steiner Freizeitmöbel GmbH und Steco International eine Gesamt-Überschuldung von 3,7 Mrd. S. Dazu Unger: "Diese Zahl ist nicht konsolidiert, man muss berücksichtigen, dass die einzelnen Firmen der Gruppe mehrfach für ein- und denselben Kredit haften, so dass sich konsolidiert die genannten 1,5 Mrd. S ergeben".

1.6.2001 21:35