Forderung nach Intervention der Zentralbanken

Angesichts der erneuten Talfahrt des Euro mehren sich die Rufe nach einer Intervention der Zentralbanken auf den Devisenmärkten. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, rät zum Verkauf der überschüssigen Gold- und Dollarreserven. So könnte den Verrücktheiten des Devisenmarktes begegnet werden.
Zu Wochenbeginn zeigte sich die Gemeinschaftswährung weiter schwach. Der Referenzkurs wurde am Montagnachmittag mit 85,84 Cent festgesetzt. Nach schlechten Konjunkturdaten war der Euro in der vergangenen Woche auf Talfahrt gegangen.
Auch von heutigen Äußerungen von EZB-Präsident Wim Duisenberg vor dem Europaparlament ließ sich der Euro zunächst nicht beeindrucken. Händlern zufolge stützen aber nicht verstummende Gerüchte über mögliche Zentralbank-Interventionen die Gemeinschaftswährung weiterhin bei Kursen knapp unter 0,86 Dollar.
EZB-Chef Duisenberg hat am Montag einmal mehr seiner Erwartung Ausdruck gegeben, dass die Inflationsrate in der Euro-Zone in diesem Jahr wohl wieder zurückgehen und 2002 unter die EZB-Toleranzgrenze von 2 Prozent sinken wird den Inflationsdruck reduzieren.
Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt hinsichtlich der Preisentwicklung aber weiter wachsam. Der Wachstumsausblick für die Weltwirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten eingetrübt. "Jüngste Prognosen lassen jedoch ein Wachstum in Höhe des langfristigen Trends erwarten", sagte Duisenberg.
Der verbesserte Inflationsausblick muss jedoch von einer weiter zurückhaltenden Lohnpolitik unterstützt werden, so der EZB-Präsident. Er wiederholte die Forderung nach weiteren Strukturreformen in der Euro-Zone. Die Inflation in der Euro-Zone kletterte im April auf 2,9 Prozent nach 2,6 Prozent im Vormonat. Analysten erwarten, dass die Jahresteuerung im Mai wegen anhaltenden Preisdrucks von Nahrungsmitteln und Benzin über 3 Prozent gestiegen ist.
Die EZB will nach Worten von Duisenberg die Märkte mit ihren Zinsentscheidungen nicht überraschen. "Wir bevorzugen es, die Märkte vorzubereiten, doch dies ist leider nicht immer möglich", sagte er am Montag bei seiner Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel weiter. Es sei sicherlich nicht die Absicht der Notenbank, die Finanzmärkte zu überraschen.
Ob die europäische Gemeinschaftswährung wie erhofft in diesem Jahr die Parität zum Dollar erreicht, scheint Konjunkturexperten zunehmend fraglich. Das Umfeld der Gemeinschaftswährung werde immer ungemütlicher, hatte der Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank, Martin Hüfner, dem "Münchner Merkur" gesagt. Dies liege zum einen an der unerwartet starken Abkühlung der Konjunktur in der Eurozone. Zum anderen drohten im zweiten Halbjahr viele Investoren aus dem Euro auszusteigen, da sie die Vorwehen der Bargeldeinführung fürchteten, hatte Hüfner argumentiert.

