Dienstag, 29. Mai 2001

Haider für Zuzug ausländischer Fachkräfte

Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (F) hat sich am Dienstag im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel für eine Reduktion bei den Familienzusammenführungen ausgesprochen. Außerdem sollte innerhlab der Länderquoten getauscht werden können.

Man sollte bei der erhöhten Familienzusammenführung reduzieren und statt dessen mehr ausländische Facharbeiter ins Land holen, meinte Haider. Familienzusammenführungen würden nämlich nur "erhöhte Sozialkosten" bedeuten und keinen wirklichen Vorteil bringen. Weiters forderte Haider die verantwortlichen Minister auf, endlich die im Regierungsübereinkommen vereinbarte IT-Offensive zu starten.

Wirtschaftskammer-Präsident Leitl verteidigt Bartenstein-Vorstoß
Wirtschaftskammer-Präsident Leitl hat die Forderung von Wirtschaftsminister Bartenstein (V) nach einer Ausweitung der zeitlich begrenzten Arbeitsgenehmigungen für Ausländer unterstützt und die Kritik der FPÖ daran zurückgewiesen.

Leitl lud FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler ein, Betriebe, die dringend Fachkräfte suchen, zu besuchen und sich selbst ein Urteil zu bilden. Das Klima in der Koalition sei in dieser Frage "emotionalisiert", beklagte Leitl. Das sei immer schlecht. Es gehe nicht darum, billige Arbeitskräfte aus dem Ausland zu bekommen, sondern man brauche qualifizierte. Man dürfe den Betrieben "nicht die Wurzeln ihrer Existenz abschneiden. Das gefährdet den Wohlstand", sagte der Wirtschaftskammer-Präsident.

Inländisches Potenzial ausschöpfen
Leitl bekannte sich dazu, zuerst das inländische Potenzial auszuschöpfen. Wenn Unternehmer aber trotzdem nicht genügend Arbeitskräfte bekommen, sollen man zunächst befristet auf zwei Jahre Arbeitsgenehmigungen für Ausländer erteilen. Dann könne man sehen wie sich die Wirtschaft entwickelt.

Kritik von AK und ÖGB
Die Arbeiterkammer (AK) lehnt den Vorstoß von Bartenstein, befristete Arbeitsbewilligungen auch außerhalb der Saisonbranchen einzuführen, ab. Der anhaltende Bedarf an Facharbeitern, auf den Bartenstein verweise, zeige einmal mehr, dass Österreich dringend eine Offensive in der Aus- und Weiterbildung braucht: "Mit Zuwanderung kann dieses Problem nicht gelöst werden, vielmehr werden damit notwendige Weichenstellungen verzögert", erklärt die AK.

Auch der ÖGB kann dem Vorschlag, Fachkräfte befristet nach Österreich zu holen, nichts abgewinnen. In einer Aussendung erklärte der Leitende Sekretär Richard Leutner: "Wir dürfen Wissen nicht nur aus dem Ausland importieren".

Fachkräftemangel auch bei Kfz-Mechanikern und Elektro-Installateuren
Gemäß der Synthesis-Studie wird für das kommende Jahr ein Fachkräftemangel von 17.600 Personen erwartet. Zusätzlich wird für rund 7.400 offene Stellen ohne besonderes Fachprofil eine Verknappung prognostiziert. Am stärksten betroffen wäre der Bereich der Informationstechnologie, wo von einer Knappheit von 7.400 Fachkräften ausgegangen wird. Aber auch im Sektor der Produktionsberufe werden voraussichtlich 2.200 Fachkräfte fehlen. Überraschend ist dabei, dass es etwa auch einen Mangel an Kfz-Mechanikern oder Elektro-Installateuren gibt.

29.5.2001 18:06