Donnerstag, 31. Mai 2001

"Osim darf mir nicht mehr in den Rücken fallen"

So wird es in Zukunft gehen
Die zehn Gebote des Hannes Kartnig

Hannes Kartnig rechnet ab. In NEWS spricht er über seine Spieler, seinen Trainer und die Zukunft von Sturm Graz.

news: Herr Kartnig, haben Sie schon alles richtig verdaut?
kartnig: Wenn Sie mich so fragen, wird’s mir gleich wieder schlecht. Ich bin so sauer. Auch auf den Osim. Er hat die Zügel schleifen lassen, der große Messias, der „Wödmasta“ … So nicht! Jetzt spielen wir eine andere Musik, meine Musik. Ich schätze den Trainer. Aber wenn ich merke, dass er wieder zu weich wird, zu gutmütig, dann gibt es Saures.

news: Was werfen Sie Osim konkret vor?
kartnig: Die Spieler haben mit ihm gemacht, was sie wollten. Ich werfe Osim vor, dass es nie vorab Programme gegeben hat. Er hat immer wieder alles umgeschmissen. Dann hat’s immer wieder Ausnahmen gegeben. Das stell ich ab.

news: War es schwer, Osim für die neuen Aufgaben zu gewinnen?
kartnig: Die Frage war, welche Zielsetzung er hat für den Verein. Sieht er noch Perspektiven unter seiner Arbeit? Er hat ja oft Spieler nicht einlaufen lassen, weil ich mir diesen gewünscht hab. Das ist doch Schwachsinn. Er muss für den Klub und nicht gegen ihn arbeiten. Der Trainer darf mir nicht mehr in den Rücken fallen. Das tut er nämlich auch. Mir sagt er immer, gehen Sie hinein, und schimpfen Sie. Und im Nachhinein geht er in die Kabine und beschwichtigt wieder alles. Er macht solche Sachen, weil er ein gutmütiger Mensch ist. Aber ich glaub, ich hab schon ein Rezept, dass er auch härter wird. Es geht ja auch um seinen Namen. Ein Osim kann sich nicht erlauben, dass er mit Sturm abstürzt. Das kann ihm ein-, zweimal passieren. Ein drittes Mal nicht. Weil dann muss man sich fragen, ob er wirklich so gut ist, wie alle behaupten.

news: Also brechen bei Sturm jetzt harte Zeiten für den Trainer und die Spieler an …
kartnig: Ganz harte. Privatgeschäfte der Spieler gibt’s nicht mehr. Wenn ich draufkomme, dass ein Spieler privat Autogrammstunden gibt, kriegt er schon eine Geldstrafe. Der Vastic zum Beispiel hat eine Sportagentur. Er kann seinen Namen hergeben, aber wenn ich ihn in Zukunft dort erwische, dann kriegt er ein Problem. Keiner braucht woanders arbeiten. Alle müssen 100-prozentig für Sturm da sein. Wer da nicht mitmacht, der kann schon marschieren.

news: Wie wollen Sie das alles kontrollieren?
kartnig: Ich hab einen Manager, den Heinz Schilcher. Den hab ich beauftragt, das alles durchzuziehen. Und wenn er das nicht durchzieht, dann brauch ich ihn nicht mehr. Tut mir leid. Dann soll er woanders hingehen. Da bin ich neugierig. Ich weiß, dass mein Alter wieder schwach wird. Der Beckenbauer hat mir das Gleiche über den Rehhagel gesagt. Der hat bei den Bayern gehen müssen, weil er zu weich geworden ist. Der hat sich auch von den Wunderkickern einseifen lassen. Da hab ich Angst beim Osim.

news: Wer von den Spielern ist bei Ihnen untendurch?
kartnig: Der Martens zum Beispiel glaubt, er kann machen, was er will. Der spielt nur mehr den Intellektuellen, die Gitarre in der Hand, wie ein Bremer Stadtmusikant. Der Schopp darf nur zu unseren Bedingungen bleiben, aber er unterschreibt uns ja keinen Vertrag, den wir ihm vorlegen. Ich will ihn jetzt verkaufen, wo ich noch ein paar Schilling für ihn krieg. Ich warte doch nicht bis Dezember, bis sein Vertrag ausläuft. Auch der Prilasnig kann bleiben, aber nur zu unseren Bedingungen. Der will 4,2 Millionen netto haben. Das kann ich nicht – und das will ich auch nicht zahlen. Er ist an und für sich ein lieber Mensch, aber die haben alle abgehoben.

news: Und was ist mit Vastic?
kartnig: Momentan spielt er nix. Man kann schon Formschwankungen haben, damit hab ich kein Problem. Aber diese Herumjeierei, was er nicht alles für den Klub getan hat. Und dabei den Dackelblick aufsetzen. Das halt ich nicht aus. Er kann in Zukunft Libero spielen, denn ich suche einen anderen Spielmacher. Wenn er sich konzentriert, ist er einer der besten Liberos, weil er auch kicken kann.

news: Was passiert mit Kocijan und Minavand?
kartnig: Der Kocijan ist immer verletzt, oder er tut so, weil er Angst hat, dass ihn der Trainer nicht aufstellt. Ich bin ja kein Arzt, ich kann nicht in ihn hineinschauen. Er trainiert wohl, aber wenn er zweimal trainiert, sagt er, er ist verletzt. Er hat einen Einjahresvertrag, aber er kann sich einen Klub suchen. Ich geb ihn her. Aber wenn er keinen Klub findet, na ja, dann kann er mittrainieren. Der Minavand dagegen trainiert mir nicht mehr mit. Der kann nur noch Runden laufen. Der sieht bei mir keinen Ball mehr. Das schwör ich. Der kann bei uns Marathon laufen. Häkeln können die Spieler in Zukunft ihre Großmutter. Nicht mich.

news: Wird’s nur mehr Leistungsverträge geben?
kartnig: Ja, das können Sie mir glauben. Jeder kriegt ein normales Fixum, dann Punkte- und Einsatzprämien. Plus Prämien für Meistertitel und Cupsieg. Und für den Europacup gibt’s auch festgesetzte Summen. Es kann nicht nur der Verein das Risiko tragen. Das muss auch der Spieler tragen.

news: Glauben Sie, dass sich die Spieler an Ihre Gebote halten?
kartnig: Na ja, erziehen kann ich
sie nicht mehr. Ich kann ihnen nur sagen, dass es nur mit einer gewissen Disziplin geht. Es gibt kein Zurückreden mehr in der Kabine. Wenn ich da noch einmal etwas höre, dann fahr ich mit Geldstrafen auf. Das Problem ist heute, dass die Vereine nichts mehr zu reden haben. Die Spieler sagen sich, wenn er mich jetzt rausschmeißt, dann bin ich frei. Da müsste zum Schutz der Vereine auch eine Regel her. Man müsste sagen, so, jetzt kriegt er ein Jahr lang keine Spielerlaubnis. Aus, fertig. Kein Klub darf ihn nehmen. Weil sonst wirst du nie der Herr. Man müsste einen Antrag stellen. Die Liga müsste da endlich etwas machen, wurscht, wie gut einer ist. Aber wenn ich den Antrag stelle, dann kommen wieder die Obergscheiten und reden über Berufsverbot und so. Das ist das Problem. Es müssten viel mehr Leute ans Werk gehen, die eigenes Geld hineingesteckt haben, so wie ich. Die etwas riskiert haben. Nicht so einer wie der Dokupil, der Lohnempfänger, der kann gar nie so denken wie ich. Außerdem denkt der ja nur an sich selbst.

Mehr dazu in der aktuellen Ausgabe von NEWS.

31.5.2001 10:41