"Das wäre Verrat"

Der Konkurs des Rechtevermarkters der FIFA, ISMM/ISL, hat den Internationalen Fußball-Verbande eine schöne Stange Geld gekostet. FIFA-Präsident Blatter sieht jedoch keinen Grund zum Rücktritt.
"Ich hätte nicht einmal das Recht, zurück zu treten. Ich habe ein Mandat vom Kongress", meinte der 65-jährige Schweizer in einem Interview mit der französischen Sportzeitung "L'Equipe" (Mittwoch-Ausgabe).
Amtsverzicht wäre Verrat
Ein Amtsverzicht hieße, seine Mission aufzugeben, fügte der Schweizer hinzu, "das wäre Verrat". Nichts außer einem Unfall oder einer Krankheit könne ihn zum Rücktritt bewegen. Der 1998 vor Beginn der WM in Paris gewählte Blatter bekräftigte, er werde im kommenden Jahr für eine zweite Amtsperiode kandidieren. Er wolle dafür kämpfen, seine Arbeit zu beenden.
Bestechungsvorwürfe zurückgewiesen
Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner Wahl wies Blatter erneut zurück: "Ich besteche nicht und bin nicht bestechlich. Während meiner Zeit als FIFA-Generalsekretär gab es einige Versuche gegenüber meiner Person, die ich zurückgewiesen habe."
Bis 360 Millionen Schilling Schaden
Die genaue Höhe der Verluste nach dem Bankrott von ISMM/ISL lägen in der kommenden Woche vor. Nach ersten Schätzungen handle es sich um eine Summe zwischen 20 und 40 Millionen Schweizer Franken (180 Mio. S/13,1 Mio. Euro - 360 Mio. S/26,2 Mio. Euro), die Situation sei aber "nicht katastrophal". Von einem Schwarzgeldkonto von ISMM/ISL in Liechtenstein sei ihm nichts bekannt, betonte Blatter. Davon habe er aus der Presse erfahren. Die mögliche Existenz einer schwarzen Kasse räumte er jedoch ein.
Schwere Vorwürfe gegen ISMM/ISL
Die FIFA beschuldigt ISMM/ISL, dem Verband 75 Millionen Schweizer Franken (676 Mio. S/49,1 Mio. Euro) vorenthalten zu haben, die vom brasilianischen Sender "TV Globo" nicht auf ein dafür vorgesehenes WM-Konto geflossen sein sollen. Aus diesem Grund hatte die FIFA am Montag Strafanzeige erstattet. Sie richtet sich gegen ISMM-Finanzchef Hans-Jürg Schmid, den ISMM-Vizepräsidenten Hans-Peter Weber und gegen Unbekannt. Bis zum 11. Juni, an dem sich die FIFA-Finanzkommission trifft, solle klar sein, ob es weitere "Anormalitäten" gebe, sagte Blatter. Einen Tag später kommt das FIFA-Exekutivkomitee zusammen.
