Dienstag, 29. Mai 2001

FIFA- FIFA erstattet Strafanzeige

Der Fußball-Weltverband FIFA hat nach dem Konkurs des Marketing-Unternehmens ISMM/ISL Strafanzeige erstattet. Die Anzeige richtet sich gegen den Finanzchef Hans-Jürg Schmid und den Vizepräsidenten von ISMM, Hans-Peter Weber, sowie gegen Unbekannt. Dies teilte die FIFA am Montagabend aus Zürich mit.

"Die FIFA hat sich zu diesem Schritt entschlossen, weil sie über Beweise verfügt, wonach ihr zustehende Gelder vorenthalten wurden", erklärte FIFA-Präsident Joseph Blatter am Rande des Konföderationen-Cups in Seoul. "Dieses Geld gehört dem Fußball, und die FIFA wird alles unternehmen, um Licht in diese Angelegenheit zu bringen und die Gelder zurückzuholen", versicherte Blatter. Die beim Untersuchungsrichteramt des Kantons Zug eingereichte Strafanzeige erfolge wegen des Verdachts auf Betrug, der Veruntreuung beziehungsweise der ungetreuen Geschäftsbesorgung.

Am vergangenen Freitag hatte die FIFA erstmals das mögliche Bestehen von schwarzen Konten eingeräumt; der Weltverband müsse mit einem Gewinnverlust von 75 Millionen Schweizer Franken (49,1 Mill. Euro/676 Mill. S) aus der Vermarktung der Fernsehrechte für die WM 2002 rechnen. Kein Manager von ISMM/ISL sei "vor einer Untersuchung gefeit", hatte FIFA-Anwalt Peter Honegger personelle Konsequenzen angekündigt.

Begründet wird die Strafanzeige laut FIFA mit einer Vorauszahlung der brasilianischen Fernsehanstalt TV Globo an die ISMM in Höhe von rund 60 Millionen Dollar (69,9 Mill. Euro/962 Mill. S) vom 18. September 2000. Gemäß dem Vertrag mit der FIFA war die ISMM verpflichtet, alle Zahlungen von Lizenznehmern auf ein eigens dafür eingerichtetes Konto bei einer Schweizer Großbank überweisen zu lassen, wo die FIFA sämtliche Kontobewegungen täglich verfolgen konnte. Die Vorauszahlung von TV Globo wurde jedoch auf Anweisung von ISMM einem anderen Konto gutgeschrieben, von dem die FIFA keine Kenntnis und zu dem sie folglich keinerlei Zugang hatte.

Bei diesem Konto handelt es sich um ein ISMM-Konto bei der gleichen Schweizer Großbank. Da die FIFA die Geldflüsse nicht kontrollieren konnte, betrachtet sie dieses Konto als "schwarz" und die Überweisung als "Schwarzzahlung". Die Behauptung der ISMM gegenüber Medien, wonach es sich bei der Zahlung von TV Globo um ein Darlehen gehandelt habe, wird durch Dokumente widerlegt, die sich im Besitz der FIFA befinden und zusammen mit der Strafanzeige den Untersuchungsbehörden vorgelegt werden.

29.5.2001 09:12