Dienstag, 29. Mai 2001

SPEZIAL: TENNIS IN ST. PÖLTEN

Leider. Markus Hipfl konnte sich gestern, Samstag, nicht in die Sieger-Liste von St. Pölten eintragen. Sein Trainingspartner, Andrea Gaudenzi, hatte eindeutig den besseren Tag.

Markus Hipfl muss auf seinen ersten Turniersieg auf der ATP-Tour weiter warten. Der 23-jährige Oberösterreicher musste sich in seinem ersten Finale im mit 425.000 Dollar dotierten Raiffeisen- Grand-Prix in St. Pölten seinem "Stallkollegen" Andrea Gaudenzi nach 1:31 Stunden mit 0:6,5:7 geschlagen geben. Für Gaudenzi war es der zweite Titel nach Casablanca 1998. Hipfl durfte sich mit einem Scheck über 33.500 Dollar trösten.

"Andrea hat mich zu Beginn mit sehr langen Bällen überrascht. Im zweiten Satz habe ich dagegen gehalten und habe alles gegeben", meinte Hipfl, der dennoch eine zufriedene Bilanz zog. "Ich bin hier im Finale gewesen, damit muss ich zufrieden sein." Natürlich sei er nach vier Matches, in denen er viel hatte laufen müssen, schon müde gewesen. "Aber das soll keine Ausrede sein. Ich habe vier solide Matches gespielt und kann mit erhobenem Kopf nach Paris fahren", sagte der Welser.

Das Match begann alles andere als nach Wunsch der Zuschauer. Nach nur 21 Minuten und nur sieben Punkten durch Hipfl hatte Gaudenzi den ersten Satz mit 6:0 für sich entschieden. Im zweiten Set gelang Hipfl nach umkämpftem Game das Break zum 3:1 und eine 4:1-Führung war die Folge. Doch als Hipfl nach exakt einer Stunde seinen Aufschlag mit einem Doppelfehler zum 3:4 abgab, übernahm Gaudenzi wieder das Kommando.

Die Entscheidung fiel im elften Game bei 5:5, das Aufschlagsspiel von Hipfl dauerte zwölf Minuten. Drei Breakbälle wehrte der Lokalmatador noch ab, vier Chancen zum 6:5 konnte er selbst nicht nützen. Danach servierte Gaudenzi aus.

"Markus hat sein erstes Finale gespielt. Er ist noch jung und wird noch öfters so weit kommen. Auch ich habe einige Male in Folge im Endspiel verloren, ehe ich den ersten Titel gewonnen habe", meinte Gaudenzi über seinen Trainingspartner im "Stall" von Ronnie Leitgeb. Er habe das Gefühl gehabt, dass Markus nach der anstrengenden Woche etwas müde sein könnte. "Ich war vielleicht um den einen Schritt langsamer heute", bestätigte Hipfl, der Gaudenzi in der letzten Quali-Runde für Monte Carlo heuer noch glatt mit 6:3,6:1 besiegt hatte. Auch damals hatte er ähnlich viele Stopp-Bälle gespielt wie in St. Pölten, allerdings wesentlich erfolgreicher.

Es war das erste Endspiel zweier dank einer Wild Card in den Bewerb gekommenen Spieler zumindest seit 1985. Weiter zurück hat die ATP keine diesbezüglichen Aufzeichnungen.

Hipfl spielt laut eigenen Aussagen nun am Dienstag bei den French Open gegen den als Nummer zwei gesetzten Marat Safin und fliegt Sonntagfrüh nach Paris. "Safin ist ein Riesenspieler, aber er hat bisher auch nicht gerade sein bestes Jahr gehabt. Ich muss versuchen, mich die nächsten zwei Tage so gut wie möglich zu erholen", meinte Hipfl.

29.5.2001 09:02