Samstag, 2. Juni 2001

Einhellige Empörung über Terroranschlag in Israel

Einhellige Empörung löste der verheerende Selbstmordanschlag von Tel Aviv weltweit aus: Nach US-Präsident George Bush, UNO-Generalsekretär Kofi Annan und dem deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder verurteilten am Samstag auch der französische Präsident Jacques Chirac und das russische Außenministerium das Attentat scharf.

Der französische Staatspräsident reagierte "mit Entsetzen und Bestürzung" auf die Nachricht des Attentats, hieß es am Samstag in der von Chiracs Amt veröffentlichten Stellungnahme. "Diese blinde Gewalt kann nur verurteilt werden." Frankreich erneuere seinen Appell, "sämtliche Gewaltanwendungen sofort einzustellen und zum Dialog zurückzukehren".

Der "unmenschliche und verbrecherische Anschlag" richte sich gegen alle Bemühungen, der Gewalt im Nahen Osten Einhalt zu gebieten, sagten Diplomaten des russischen Außenministeriums in Moskau der Nachrichtenagentur Interfax. Russland rufe dazu auf, "den Teufelskreis der Gewalt zu durchbrechen". Dazu müssten Palästinenser wie Israelis einander entgegenkommen. Moskau ist gemeinsam mit den USA Schirmherr des Verhandlungsprozesses im Nahen Osten.

Annan und Bush: Anschlag "entsetzlich"
Der Anschlag, bei dem mindestens 18 Menschen getötet wurden, sei "entsetzlich", hieß es in einer in New York veröffentlichten Erklärung Annans. Der "terroristische Anschlag" zeige, dass die Spirale der Gewalt so schnell wie möglich durchbrochen werden müsse, erklärte Annan.

In einer Erklärung des Weißen Hauses in Washington hieß es: "Es gibt keine Rechtfertigung für sinnlose Anschläge auf unschuldige Zivilisten". Bush fordert einen sofortigen und bedingungslosen Stopp der Gewalt.

Fischer: "Die Gewalt muss enden"
Der deutsche Außenminister Joschka Fischer, der sich zurzeit in Israel aufhält, hat das Attentat scharf verurteilt und die Palästinenser nachdrücklich zur sofortigen Einstellung der Gewalt aufgerufen. Nach dem Terroranschlag legte Fischer Blumen am Ort des Grauens nieder. "Die Gewalt muss enden", sagte Fischer am Samstag vor dem völlig zerstörten Eingang eines Nachtclubs am Strand von Tel Aviv.

Auch Blair und Cook verurteilen Terroranschlag
Der britische Premierminister Tony Blair hat den Terroranschlag in Israel am Samstag verurteilt, die Regierung in Tel Aviv aber zugleich zur "Zurückhaltung" bei Reaktionen auf die Bluttat aufgefordert. Der Anschlag sei "völlig unverzeihbar", sagte Blair am Rande einer Wahlkampfreise. Er verstehe jedoch "das Gefühl der Wut" im Nahen Osten. Er hoffe dennoch, dass Israel bei einem möglichen Vergeltungsschlag "Zurückhaltung" üben werde.

"Wir verurteilen diesen Anschlag total und sprechen den Angehörigen der Opfer unser tiefes Beileid aus", sagte Blair. Er wünsche und hoffe, dass alles unternommen werde, um das Tempo des Friedensprozesses im Nahen Osten zu beschleunigen. Mit jedem Anschlag würden die gemäßigten Kräfte weiter an die Seite gedrängt.

Außenminister Robin Cook zeigte sich in einer Erklärung schockiert darüber, dass bei dem Anschlag so viele junge Leute ums Leben kamen. "Es ist besonders tragisch, dass die junge Generation, die für die Friedenssuche so wichtig ist, in dieser Weise zur Zielscheibe gemacht wird", sagte Cook. Er forderte die Palästinenserbehörden auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um die Gewalt zu beenden. Dazu gehörten auch Maßnahmen zur "Abschreckung und Verhinderung" extremistischer Gewalt, hieß es in der Erklärung Cooks.

2.6.2001 14:21