Samstag, 2. Juni 2001

SPEZIAL: Selbstmord-Anschlag in Tel Aviv

Palästinenserpräsident Yasser Arafat hat einen sofortigen Waffenstillstand ausgerufen. Arafat erklärte sich als Reaktion auf den blutigen Selbstmordanschlag in Tel Aviv bereit, alles zu tun, um weiteres Blutvergießen im Nahen Osten zu verhindern.

Zuvor hatte US-Außenminister Colin Powell Arafat zu "konkreten Schritten" gegen die Gewalt gedrängt. Powell hat am Samstag mit Arafat telefoniert, teilte ein Regierungsbeamter in Washington mit. Der Minister hat auch mit dem israelischen Regierungschef Ariel Sharon, seinen deutschen und russischen Kollegen Joschka Fischer und Igor Iwanow, dem außenpolitischen EU-Beauftragten Javier Solana und UNO-Generalsekretär Kofi Annan Möglichkeiten eines sofortigen Stopps der Gewaltanwendung erörtert. Fischer hält sich derzeit im Nahen Osten auf und hatte am Samstag persönlich mit Arafat gesprochen.

Israel setzte Arafat 24 Stunden-Frist
Zuvor setzte Israel Arafat ein 24 Stunden-Frist, um seinen Willen zu einem Waffenstillstand zu beweisen. Die Entscheidung dazu traf die Regierungsspitze bei einer Sitzung, bei der neben Ministerpräsident Ariel Sharon auch Verteidigungsminister Benjamin Ben Eliezer und Außenminister Shimon Peres teilnahmen.

Schreckliches Blutbad vor Diskothek
Vor einer Diskothek an der Strandpromenade von Tel Aviv sprengte sich ein Selbstmordattentäter am Freitag kurz vor Mitternacht in die Luft und tötete dabei sich und mindestens 17 Israelis. Rund 90 Menschen, überwiegend Jugendliche, wurden bei dem blutigsten Anschlag in Israel seit knapp vier Jahren zum Teil schwer verletzt. Die Untergrundorganisation Islamischer Djihad bekannte sich zu dem Anschlag.

Palästinenserpräsident muss in Ramallah bleiben
Arafat musste jedoch in Ramallah im Westjordanland bleiben, weil ihm die israelische Armee die Benutzung des Flughafens von Gaza untersagte. Arafat konnte deshab nicht zu seinem Amtssitz zurückfliegen. Die so genannten VIP- Ausweise für palästinensische Politiker wurden auf Anordnung der Regierung Ariel Sharon eingezogen. Damit können Abgeordnete und Minister der Autonomiebehörde nicht länger zwischen Gaza und Ramallah pendeln.

Der Flughafen von Gaza war bereits sechs der vergangenen acht Monate geschlossen, doch Arafat hatte für seine offizielle Maschine eine Sondergenehmigung. Die Regierung hatte nach dem Terroranschlag beschlossen, Arafats "Bewegungsfreiheit" einzuschränken. Der Palästinenserpräsident hat jedoch nach wie vor die Möglichkeit, über Jordanien ins Ausland zu reisen.

Vollständige Abriegelung der Palästinensergebiete
Die israelische Armee hat heute Abend mit der vollständigen Abriegelung der Palästinensergebiete begonnen und alle Zugänge und Zufahrtstraßen zum Westjordanland und zum Gazastreifen gesperrt.

2.6.2001 22:16