Freitag, 1. Juni 2001

Verständnis für Haltung von Erzbischof Eder

Die Sakramente der Kirche - wie die Firmung - dürften nicht "verschleudert" werden, sie seien nicht in erster Linie "Brauchtum", sondern "Grundnahrungsmittel" für ein Leben als Christ. So der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, in einem Interview.

In diesem Zusammenhang bekundete Schönborn Verständnis für die Haltung des Salzburger Erzbischofs Georg Eder, der mit seiner Weigerung, einer Gruppe von Jugendlichen die Firmung zu spenden, für Aufsehen gesorgt hatte. Auf "explosive Art" sei damit eine tiefe Frage bewusst gemacht worden.

Der Erzbischof berichtet, dass es in der Erzdiözese Wien ein ähnliches Ereignis gegeben hat: "Ich kann mich an eine Szene erinnern, wo Bischofsvikar Anton Berger (der jüngst verstorben ist, Anm.) in einer Wiener Pfarre öffentlich verkündet hat, eigentlich müsste er umdrehen und weggehen. Es hat heftige Proteste gegeben, er hat die Firmung dann doch gehalten, aber es hat zu nicht unerheblichen Spannungen geführt und ich glaube damit ist ein Punkt angesprochen, der wirklich Thema ist."

Für Schönborn stellt sich die Frage, die sich auch im interkulturellen und interreligiösen Vergleich zeige: "Wie gehen wir um mit einer Religion, die nicht einfach Bedürfnisbefriedigung für verschiedene Altersgruppen oder kulturelle Wünsche ist, sondern die einen ganz realen Anspruch stellt. Denn das Evangelium ist äußerst anspruchsvoll und der christliche Weg ist ein Weg, der sehr herausfordernd ist. Aber eigentlich ist die Frage nicht an die Jugendlichen zu stellen, sondern an uns Erwachsene: Haben wir das Christentum in unserem Land so verflacht, dass es in Gefahr ist, zum Brauchtum zum verkommen. Wobei ich Brauchtum nicht grundsätzlich als etwas Schlechtes bezeichnen möchte, aber die Frage muss gestellt werden."

Es sei interessant festzustellen, so der Kardinal, dass Bestrebungen, "Sakramente nicht zu verschleudern", bei "den so genannten Konservativen genauso wie bei den so genannten Progressiven" zu beobachten seien, so Schönborn. So gebe es auch fortschrittliche Pfarren in Wien, wo die Firmvorbereitung zwei Jahre dauert und die Ehevorbereitung mehrere Monate. "Die Gefahr ist, und darunter leiden wir natürlich, dass dann viele in andere Pfarren abwandern und sagen, da kriege ich es einfacher und billiger. Und dieser Spannung müssen wir uns auch als Bischöfe und Seelsorger in diesem Land viel bewusster stellen und da haben die Salzburger Ereignisse auch einen ganz positiven Wert, eine Frage bewusst zu machen."

1.6.2001 12:00