Freitag, 1. Juni 2001

Lkw mit Rohren kehrte um, "Erfolg" für AKW-Gegner

AKW Temelin: Diskutieren Sie mit

Etwa 25 Atomgegner haben Donnerstag Abend am Grenzübergang Neu-Nagelberg bei Gmünd einen für das AKW Temelin bestimmten Materialtransport gestoppt. Ein Klein-Lkw samt Anhänger, bei dessen Ladung es sich um von einer Firma in Waidhofen a.d. Thaya speziell behandelte Rohre gehandelt hat, trat die Rückfahrt an.

Die AKW-Gegner sprachen von einem "Erfolg" ihrer Aktion. Aufgerufen hatten die Überparteiliche oberösterreichische Plattform gegen Atomgefahr und das Aktionskomitee Stop Temelin gemeinsam mit niederösterreichischen Anti-Atom-Organisationen. "Der Widerstand gegen Temelin in Österreich gewinnt eine zusätzliche Dimension", hieß es in einer Stellungnahme.

Der Klein-Lkw war gegen 19:00 Uhr in Neu-Nagelberg gestoppt worden. Die Aktivsten öffneten laut ihrem Sprecher Andreas Reimer die Ladung und stellten fest, "dass es sich um Rohre gehandelt hat". Der Transport sei "hundertprozentig" für Temelin bestimmt gewesen.

Geschäftsführer kündigt rechtliche Schritte an
Georg Henkel, Geschäftsführer der Henkel Beiz- und Elektropoliertechnik GmbH in Waidhofen a.d. Thaya, betonte am Telefon aus Hamburg, das Material sei nicht für einen nuklearen Einsatz bestimmt. Es handle sich um Edelstahlrohre, die im Auftrag von Westinghouse in Belgien elektrochemisch poliert worden seien. Diesbezüglich habe die Firma auch eine Freigabe des Bundeskanzleramtes erhalten. Henkel zeigte sich "bestürzt", dass eine Aktion wie jene in Neu-Nagelberg im Rechtsstaat Österreich überhaupt möglich sei. Der Geschäftsführer des Unternehmens kündigte rechtliche Schritte an.

Laut Gendarmerie haben sich die Aktivisten in Neu-Nagelberg "friedlich verhalten". Ihre Daten wurden aufgenommen. Der Klein-Lkw hätte vermutlich auch ohne den Stopp durch die AKW-Gegner die Grenze nicht passieren können. Die Zollunterlagen seien nicht vollständig gewesen, sagte ein Beamter.

1.6.2001 10:48