Donnerstag, 31. Mai 2001

Heftige Kontroverse nach ai-Kritik an Österreich

Kontroverse Standpunkte zur von ai geforderten Aufhebung des §209 des Strafgesetzbuches, der sexuelle Beziehungen von Männern betrifft, prägten eine "ZiB3"-Debatte. Der Referent Kurt Krenns, Michael Dinhobl, wandte sich entschieden gegen eine Aufhebung: "Homosexualität ist in sich schlecht", sagte er.

Der durch die Fernsehsendung "Taxi Orange" bekannt gewordene Robert "Mama" Höchtl forderte hingegen Toleranz und gleiche Rechte für Homosexuelle.

Dinhobl verglich Homosexualität mit einer schlechten Veranlagung, etwa Pyromanie. "Homosexualität ist keine Krankheit", entgegnete Höchtl, sondern die Theorie dass es eine Krankheit sei, wäre krank. "Es gibt keinen Homosexuellen, der sich krank fühlt - außer es wird ihm eingeredet". Österreich sei das einzige Land in Europa, in dem noch immer für Homosexualität von Männern schärfere Bestimmungen existierten. Er sprach sich auch für die Einführung von anerkannten Partnerschaften bzw. Ehen von Homosexuellen aus. "Wenn sich Homosexuelle lieben, warum dürfen sich die nicht ehelichen? Zwei Menschen, die sich lieben, dürfen doch heiraten!"

Dinhobl hingegen hob die Bedeutung der Ehe von Menschen verschiedenen Geschlechts im Hinblick auf die Nachkommenschaft hervor. "Die Ehe ist die Keimzelle der Gesellschaft, und in der Ehe kommen auch die Kinder. Diese Leistung der Familie ist schützenswert, denn wer soll denn die Pensionen bezahlen?", fragte er. Höchtl wandte ein, dass auch wenn Homosexuelle nicht heiraten dürften, sie trotzdem keine Kinder bekommen würden.

Während für heterosexuelle Paare und lesbische Frauen und Mädchen eine Altersgrenze von 14 Jahren für sexuelle Beziehungen gilt, verbietet der §209 des Strafgesetzbuchs sexuelle Beziehungen von Männern über 19 Jahren mit Männern unter 18 Jahren. Der Strafrahmen beträgt bis zu fünf Jahre Haft. Die Menschenrechtsorganisation amnesty international (ai) kritisiert diese Regelung als "eine einzigartige Legaldiskriminierung homosexueller Männer".

FPÖ plötzlich für gänzliche Abschaffung des §209
In der FPÖ steigt die Bereitschaft, den umstrittenen Paragrafen 209 zu ändern. Nach Justizminister Dieter Böhmdorfer äußert sich nun auch Klubchef Peter Westenthaler in diese Richtung. Im "profil" kündigt er an, dass man im Herbst eine Veränderung beschließen wolle. Westenthaler selbst steht eigenen Angaben zur Folge einer Abschaffung des Paragrafen "sehr offen" gegenüber. Er werde aber niemandem vorschreiben, wie er abzustimmen habe.

31.5.2001 11:18