Freitag, 1. Juni 2001

"Echelon" belauscht zwei Mrd. Nachrichten pro Stunde!

Die Nachricht war ein Schock: US-Agenten spionieren geheime e-mails und Faxe aus! Nach der Bestätigung aus der EU, dass das Spionagesystem der Amis "Echelon" tatsächlich existiert, warnt jetzt Brüssel: Firmen sollen sensible Geschäftsdaten in Zukunft bei Übertragung per Telefon, Fax oder E-Mail verschlüsseln. Ob das reicht?

Zwar gibt es keine direkten Beweise dafür, dass die USA aus Echelon gewonnene Daten zur Wirtschaftsspionage nutzen. Doch müssen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Dazu riet der Vorsitzende des Ausschusses zur Untersuchung des Abhörsystems Echelon, Gerhard Schmid, am Mittwoch in Brüssel.

Derartige Spionage ist schwer zu entdecken, weil sie keine Spuren hinterlässt, betonte Schmid. Das Risiko, insbesondere bei laufenden Auftragsvergaben abgehört zu werden, ist hoch.

"Stille Teilnehmer" bei Videokonferenzen internationaler Unternehmen"
Laut Schmid gibt es empirische Belege wie die Größe und Typ von Antennen und andere technische Ausstattung von Horchposten, die auf die Existenz von Echelon hinweisen. Für internationale Unternehmen besteht vor allem in Telefon- und Videokonferenzen die Gefahr, dass es einen weiteren, "stillen Teilnehmer" vom US-Aufklärungsdienst National Security Agency (NSA) gibt.

Daten werden an CIA-nahe Behörde weitergegeben
Die neunmonatige Ermittlungsarbeit des Parlamentsausschusses hat zudem ergeben, dass von Echelon abgefangene Daten an eine US-Behörde weitergeleitet werden, die die Informationen ihrerseits an interessierte nationale Unternehmen weitergebe. An der Behörde namens "Advocacy Center" ist der Aktenlage zufolge auch der US-Geheimdienst CIA beteiligt.

Was ist Echelon?
Echelon ermöglicht es nach Angaben von Fachleuten, weltweit an Informationen zu kommen, die über Satelliten weitergeleitet werden - seien es Telefonate, Faxe oder E-Mails. Das System steht auf Grundlage des 1947 geschlossenen UKUSA-Abkommens zwischen den USA, Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland. Damit vereinbarten die Staaten eine enge Zusammenarbeit in Sachen Kommunikations-Spionage.

Den Angaben zufolge werden mit dem System bis zu zwei Milliarden Nachrichten pro Stunde ausgewertet und je nach vorhandenen Schlüsselwörtern weiter untersucht. In den USA ist der landesweit größte und finanzstärkste Geheimdienst NSA für Echelon zuständig.

Verschlüsselungsp-Pogramme sollen Abhilfe schaffen
Die Parlamentarier wollten den Spionagevorwürfen im vergangenen Monat in Washington nachgehen. Dort wurden vereinbarte Treffen mit Vertretern der Geheimdienste CIA und NSA kurzfristig abgesagt. Der Bericht forderte Großbritannien als Mitglied der Europäischen Union auf, seine Verbindung zu "Echelon" zu überdenken. Es hieß, das Land verletze möglicherweise europäische Menschenrechtsbestimmungen und Verträge mit den EU-Partnern. Washington wurde geraten, ein internationales Abkommen zum Schutz der Privatsphäre der Bürger zu unterzeichnen.

Die Ausschussmitglieder empfahlen, vertrauliche Informationen nur verschlüsselt per E-Mail zu verschicken.

1.6.2001 14:45