Mittwoch, 30. Mai 2001

Dramatik bei Urteilsverkündung im Elf-Prozess

Schuldig! Sechs Monate Haft - das ist das Urteil im Schmiergeldprozess gegen den ehemaligen französischen Außenminister Roland Dumas. Seine Ex-Geliebte Christine Deviers-Joncour wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Auch ehemalige Elf-Funktionäre wurden schuldig gesprochen.

Das Pariser Strafgericht verhängte gegen den 78-Jährigen Dumas zudem eine zweijährige Bewährungsstrafe sowie eine Geldstrafe von einer Million Franc (152.449 Euro/2,10 Mio. S).

Ehemaliger Elf-Chef und dessen Vertrauter auch verurteilt
Der ehemalige Elf-Chef Loik Le Floch-Prigent wurde zu dreieinhalb Jahren Haft und einer Geldstrafe von 2,5 Millionen Franc verurteilt. Dessen einstige rechte Hand, Alfred Sirven, erhielt eine vierjährige Haftstrafe sowie eine Geldstrafe von zwei Millionen Franc. Die einstige Geliebte von Dumas, Christine Deviers-Joncour, wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, von denen 18 Monate auf Bewährung ausgesetzt wurden. Sie muss eine Geldstrafe von 1,5 Millionen Franc zahlen.

Die Verurteilten wurden für schuldig befunden, das weltumspannende Korruptionsnetz des ehemals staatlichen Ölkonzerns Elf-Aquitaine genutzt und sich zum Teil daran persönlich bereichert zu haben. Die Anwälte von Dumas und Sirven kündigten sofort Berufung gegen das Urteil an.

Erste Urteile in Frankreichs größter Staatsaffäre
Es war das erste Mal, dass in der weit verzweigten Elf-Affäre in Frankreich Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen wurden. Hinter den Milliardengeschäften des Ölmultis verbirgt sich eine der größten Staatsaffären Frankreichs.

Der einstige Staranwalt Dumas war unter dem früheren sozialistischen Präsidenten Francois Mitterrand zweimal Außenminister und dessen engster Vertrauter. Bis zum Frühjahr vergangenen Jahres war er höchster Verfassungrichter seines Landes, hatte dieses Amt jedoch unter dem Druck der Ermittlungen niederlegen müssen.

Die Staatsanwaltschaft hatte Dumas beschuldigt, er habe dafür gesorgt, dass seine Geliebte Deviers-Joncour mit hohen Bezügen auf die Elf-Gehaltsliste gesetzt worden war. Von dem Geld habe er dann selbst profitiert. Der 78-jährige Ex-Politiker und seine mitangeklagte frühere Geliebte hatten jegliches Fehlverhalten bestritten.

30.5.2001 16:30