Montag, 28. Mai 2001

AKEL ersten Ergebnissen zufolge stärkste Partei

Die Linke hat die Parlamentswahl in der Republik Zypern gewonnen. Nach Auszählung über der Hälfte der Stimmen lag die kommunistische Fortschrittspartei des Werktätigen Volkes (AKEL) mit 35 Prozent in Führung.

AKEL lag damit vor der konservativen Demokratischen Sammlung (DISY) des Präsidenten Glavkos Clerides, die bis dahin auf 33 Prozent kam. Damit dürfte die AKEL erstmals seit 1985 wieder stärkste Kraft im Parlament werden.

Die Demokratische Sammlung räumte bereits ihre Niederlage ein. Parteipräsident Nikos Anastasiades erklärte in der Nacht: "Wir gratulieren der AKEL zu ihrem knappen Sieg." Der AKEL-Führer Dimitris Christofias versprach vor jubelnden Anhängern, seine Partei werde sich weiter um die Einheit Zyperns auf der Grundlage der Resolutionen des Weltsicherheitsrates und um eine Aussöhnung mit den türkischen Zyprioten bemühen.

Für die Machtstellung von Präsident Clerides ist der Wahlausgang ohne große Bedeutung, da die zypriotische Verfassung dem Präsidenten relativ große Befugnisse einräumt. Allerdings könnte es ein Vorentscheid für die nächste Präsidentschaftswahl sein, die spätestens in zwei Jahren fällig wird, wenn Klerides' fünfjährige Amtszeit ausläuft.

Die Wahl konnte nur im griechischen Teil Zyperns stattfinden. Im seit 1974 türkisch besetzten Norden der Inselrepublik haben die türkischen Zyprioten mit Unterstützung der Türkei einen eigenen Staat gegründet, der allerdings international nicht anerkannt wird. Zur Wahl aufgerufen waren am Sonntag knapp 470.000 Bürger, darunter 60.000 Erstwähler. Für die 56 Parlamentssitze bewarben sich 453 Kandidaten aus acht Parteien, darunter 86 Frauen.

Die Wahlbeteiligung lag ersten Berechnungen zufolge bei etwa 90 Prozent; in der Republik Zypern besteht Wahlpflicht. Dritte Kraft nach AKEL und DISY dürfte den noch unvollständigen Ergebnissen zufolge die linksliberale Demokratische Partei (DIKO) des früheren Präsidenten Spyros Kyprianou mit 15 Prozent werden. Auf die Sozialistische Partei (EDEK) entfielen knapp sieben Prozent. Wenn sich die Teilergebnisse bestätigen, könnten erstmals die Grünen und die Partei Neuer Horizont mit je ein oder zwei Abgeordneten ins Parlament einziehen. Zwei weitere Parteien blieben unter 2,5 Prozent und sind daher nicht im Parlament vertreten. Zypern gehört zu den Beitrittskandidaten der Europäischen Union.

28.5.2001 07:31