CANNES-SPEZIAL

Der italienische Regisseur Nanni Moretti hat für seinen Film "Das Zimmer des Sohnes" die Goldene Palme von Cannes erhalten. Ein großer Tag auch für den österreichischen Film: Michael Hanekes Elfriede Jelinek-Verfilmung "Die Klavierspielerin" errang nicht nur den zweitwichtigsten Preis des Festivals, den Grand Prix der Jury, sondern auch die beiden Darstellerpreise für Isabelle Huppert (48) und Benoit Magimel (27).
Haneke nahm den Grand Prix der Jury aus der Hand von Laetitia Casta entgegen. Sein mit kühlem Kopf inszenierter Film über eine sado-masochistische Klavierlehrerin, die ihre erotischen Phantasien zwischen Unterwerfung und Kontrolle mit einem jungen Schüler ausleben möchte, hatte bei den Aufführungen ein geteiltes Echo gefunden. Bei der Entgegennahme der Auszeichnungen zeigte sich Haneke sehr bewegt und sagte, er habe niemals mit drei Auszeichnungen für seinen Film gerechnet.
"Ich danke Bach, Schubert und Mozart", sagte Huppert strahlend, als sie die Ehrung als beste Schauspielerin entgegen nahm, die sie bereits 1978 einmal für ihre Rolle in Claude Chabrols "Violette Noziere" erhalten hatte. Hanekes "Klavierspielerin" galt beim diesjährigen Festival in Cannes von vornherein als Anwärter für hohe Auszeichnungen. Schon 1997 hatte der österreichische Regisseur mit dem Gewaltfilm "Funny Games" an der Cote d'Azur für Aufsehen gesorgt, im vergangenen Jahr stand er erneut mit "Code Inconnu" im Blickpunkt des Interesses.
Die früheren Cannes-Sieger Joel Coen ("The Man Who Wasn't There") und David Lynch ("Mulholland Drive") erhielten zu gleichen Teilen den Preis für die beste Regie. Der bosnische Film "No Man's Land" von Danis Tanovic wurde für sein Drehbuch ausgezeichnet. Die Camera d'Or für den besten Erstlingsfilm ging an Zacharias Kunuk aus Kanada für "Atanarjuat - The Fast Runner". In der Kategorie "Un Certain Regard" siegte Yves Caumons "Un amour d' enfance". Die Österreicherin Jessica Hausner, die in der offiziellen Schiene "Un Certain Regard" mit ihrem Langfilmdebüt "Lovely Rita" ebenfalls für eine Goldene Kamera nominiert war, ging leer aus.
Als bester Kurzfilm wurde "Beancake" von David Greenspan (USA/Japan) prämiert, der Spezialpreis für Technik ging an den Toningenieur Tu Duu-Chih für "Millennium Mambo" und "Et la-bas, quelle heure est-il?" (Taiwan). Der Preis in der Reihe "Cinefondation", in der auch die Österreicherin Ruth Mader mit ihrem Kurzfilm "Null Defizit" vertreten war, ging an den ukrainischen Film "Portrait" von Sergei Luchishin.
Den FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritiker-Jury streifte ebenfalls Nanni Morettis Siegerfilm ein. Mit dem Preis der Europäischen Union wurde bereits am Freitag der junge belgische Regisseur Frederic Fonteyne für den Film "Une liaison pornographique" (Eine pornografische Beziehung) mit Nathalie Baye in der Hauptrolle ausgezeichnet. Den "Grand Prix de la Semaine de la Critique" erhielt der iranische Cineast Reza Mir-Karimi für "Under the moonlight" (Im Mondlicht).
Der junge Tunesier Khaled Ghorbal durfte für seinen Streifen "Fatma" den Preis der CICAE, der internationalen Vereinigung der Kunst- und Essay-Kinos, entgegennehmen. Den Preis der jungen Kritik erhielten der Franzose Bruno Collet ("Le dos au mur") und der Argentinier Israel Adrian Caetano ("Bolivia").
Insgesamt bewarben sich 23 Filme im Wettbewerb um die begehrten Auszeichnungen. Der zehnköpfigen Jury gehörten in diesem Jahr unter anderem die Regisseure Terry Gilliam und Edward Yang sowie die Schauspielerinnen Julia Ormond und Charlotte Gainsbourg an. Bei der Abschluss-Zeremonie waren auch Hollywood-Stars zahlreich vertreten. Nick Nolte, Jodie Foster, Melanie Griffith und Antonio Banderas übergaben die Preise.
Im letzten Jahr hatte der dänische Regisseur Lars von Trier die Goldene Palme für sein Musical-Melodram "Dancer in the Dark" erhalten.
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