Afrikas Schöne drängen nach vorne

Afrikas Schöne drängen nach vorne. Auf den Laufstegen der Welt wollen sie ihren Platz erobern. Bisher sind es nur wenige Top-Mannequins aus Afrika, die - wie David Bowies Ehefrau Iman - international für Furore sorgten. Das soll nun bald anders werden, hoffen die Organisatoren des Schönheits-Wettbewerbs "Afrikas Gesicht" ("Face of Africa").
An diesem Samstag werden insgesamt 24 Konkurrentinnen aus allen Teilen des Kontinents im südafrikanischen Vergnügungspark Sun City bei Johannesburg um den Titel kämpfen. Der Siegerin winkt ein 200.000-Dollar-(232.964 Euro/3,21 Mill. S)-Vertrag bei einer großen Model-Agentur in New York.
Naomis Nachfolgerinnen
Lia Berhane aus Eritrea ist eine der Kandidatinnen. Mit ihren streng zur Seite gekämmten, kurz geschnittenen Haaren wirkt sie wie eine Schwester von Top-Model Naomi Campbell. Doch die junge Frau mit dem leicht dunklen Teint kämpft damit auf unsicherem Terrain. Denn dunkelhäutige, gertenschlanke Top-Modelle wie Campbell entsprechen nicht unbedingt dem afrikanischen Schönheitsideal. Auch die hoch gewachsene Ghanesin Ama Abrafi mit dem aparten Lächeln kann sich deshalb nicht sicher sein, den Sieg beim seit 1997 durchgeführten Schönheits-Wettbewerb davonzutragen. "Die Model- Karriere ist in Afrika noch neu. Wir haben den Eltern der Kandidatinnen deshalb eine Menge zu erklären gehabt", berichtete Ipetla Moatshe, die in 30 afrikanischen Ländern nach geeigneten Kandidatinnen Ausschau gehalten hat. Immerhin konnte sie mit gewichtigen Argumenten aufwarten: Viele der Vorjahres-Siegerinnen brachten es bis auf die Titel internationaler Hochglanz-Magazine.
Großes Potential
Afrikanische Top-Models sind bisher bei den internationalen Glanz- und Glamour-Messen auf den Laufstegen in Mailand, Paris oder New York noch selten. "Viele Leute sehen den Kontinent noch immer als einen Dschungel an, der von Krieg zerrüttet wird. Dabei hat der Kontinent so viel Potenzial", meinte Ipetla Moathse vor Journalisten. Wirklich internationale afrikanische Fotomodelle - wie die Somalierin Waris Dirie, die Ende 1998 vom ZDF-Magazin "ML Mona Lisa" zur Frau des Jahres gewählt wurde - kämpfen allerdings mit doppelten Problemen.
Naomi entspricht afrikanischen Idealen
Denn international anerkannte schwarze Schönheit ist in Afrika selten unumstritten. Was in der westlichen Welt beliebt ist, provoziert auf dem afrikanischen Kontinent oft beißende Kommentare. Die Leser einer südafrikanischen Zeitung ließen an der schwarzen Mode-Schönheit Naomi Campbell kaum ein gutes Haar - ein afrikanisches Schönheitsideal sei sie jedenfalls nicht, lautete der Tenor. Volkes Stimme wünscht sich eine schwarze Venus eher fülliger: in vielen afrikanischen Ländern gilt Beleibtheit als Beleg für Reichtum. Viele Top-Models aus Afrika entsprechen daher aus der Sicht ihrer Landsleute lediglich westlichen Standards, um Karriere zu machen - afrikanisch schön seien aber die wenigsten. Dennoch ist der Wunsch nach Schönheit auch in Afrika unstillbar, wie die Kosmetikindustrie mit ihren Umsätzen auch auf dem "Schwarzen Kontinent" belegt.
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