Freitag, 25. Mai 2001

Hopper mit Ausstellung im Wiener MAK

Der US-Filmstar (Easy Rider, Speed) im Gespräch über sein zweites Leben als bildender Künstler und seine bevorstehende Ausstellung im Wiener MAK...

Weniger bekannt ist, dass er schon vor seiner Film-Karriere als bildender Künstler tätig war und in den letzten Jahrzehnten ein umfangreiches Oeuvre geschaffen hat. Nun konzipierte er in kurzem Abstand im Stedelijk Museum in Amsterdam und im Wiener MAK (30. 5. bis 7. 10) eine umfangreiche Doppel-Retrospektive seines bildnerischen Schaffens. Derzeit hält er sich in Wien auf, um an den letzten Arbeiten für die Ausstellung teilzuhaben.

Haben Sie es jemals bereut, "Easy Rider II" abgelehnt zu haben?
Hopper: Nein, und ich hoffe, ich werde es auch später nie bereuen.

Wie geht es Ihnen damit, als "Film-Legende" jetzt mit "A System of Moments" im MAK auch noch, nach "A Keen Eye" in Amsterdam, die zweite Retrospektive Ihres bildnerischen Schaffens zu erleben? Fühlen Sie sich am Ende Ihrer Karriere?
Hopper: Ich bin professioneller Schauspieler, seit ich 18 bin, man gewöhnt sich daran, im Rampenlicht zu stehen. Was nicht notwendigerweise angenehm ist, ich fühlte mich in meiner Haut oft sehr unwohl. "Legende", "Ikone" genannt zu werden bedeutet mir nichts. Ich fühle mich nur eigenartig, wenn ich mir in einem Geschäft Unterwäsche oder Socken aussuche und die Leute mich anstarren. Dann frage ich mich: "Glauben die, ich will etwas stehlen?", bevor mir einfällt, dass sie mich deshalb so anstarren, weil sie mich von der Leinwand kennen.

Was für Gefühle begleiten ihre Retrospektiven?
Hopper: Sie wecken Demut in mir. Wirklich unglaubliche Künstler haben niemals auch nur eine einzige gehabt, Cezanne beispielsweise. In Amsterdam war meine Ausstellung neben dem Van-Gogh-Museum - der hat nur ein Bild während seines ganzen Lebens verkauft.

Glauben Sie, dass Sie sich in den Augen der Öffentlichkeit nun auch als bildender Künstler etabliert haben oder werden Sie immer "der Schauspieler, der auch malt" sein?
Hopper: Schauspieler, die auch malen - das funktioniert nicht, denn Schauspielern kann man nicht vertrauen. Die spielen immer andere Leute. Ich war zuerst bildender Künstler. In die Filmwelt zu gehen, erschien mir damals das Richtige, denn ich hatte kein Geld, ich war kein Star. Da war eine große Leere. Aber auch umgekehrt: Selbst als ich keine Filme drehen durfte, konnte ich immer ein Stück Leinwand finden oder eine Fotografie machen. Das war, was mich in meinen dunklen Perioden am Leben erhielt. Daher auch der Titel der Wiener Ausstellung "System of Moments": Kunst machte ich immer nur momentweise, wenn ich nicht drehen konnte, niemals kontinuierlich.

Die Ausstellung musste verschoben werden, sie hätte schon letztes Jahr stattfinden sollen.
Hopper: Ja, es scheint in Österreich einen finanziellen Zusammenbruch gegeben zu haben. Ich weiß nicht, ob das eine Angelegenheit des Museums oder der Politik war.

Kümmert Sie die politische Situation in Österreich?
Hopper: Mir wurde von anderen Künstlern geraten, dass ich nicht hierher kommen sollte. Ich habe geantwortet, dass ich diese Ausstellung geplant hatte, bevor es politische Probleme gegeben hat. Ich werde die Leute nicht enttäuschen. Da geht es nicht um Politik. Die österreichische Politik ist nicht mein Problem. Ich denke, Kunst kann von allen gesehen und verstanden werden. Unter den Menschen, die ich fotografiert habe, ist auch Martin Luther King. Das sind die Leute, an die ich geglaubt habe und glaube.

Sie sind auch ein angesehener Kunstsammler, sie werden unter den Top 100 der USA gehandelt.
Hopper: Ich kann gar nicht unter den Top 100 sein, denn ich hatte nie Geld, um zu sammeln. Ich hab mir meine Sammlung zusammengestohlen. (lacht) Ich hab mir viel geborgt und vieles getauscht. Also eher "Top 100 der Diebe" (lacht).

Würde es Sie stören, wenn man sich an Sie einst doch nur wegen "Easy Rider" erinnern würde?
Hopper: Überhaupt nicht.

Dennis Hopper, "Invitation to the Void: A System of Moments". 30. 5. bis 7. 10. Eröffnung in Anwesenheit des Künstlers: 29. 5., 20:00 Uhr. Öffnungszeiten: Di (MAK NITE) 10.00 - 24.00 Uhr, Mi - So 10.00 - 18.00 Uhr. Info unter (01) 712 80 00 und mailto:office@mak.at. MAK im Internet: http://www.mak.at)

25.5.2001 12:55

Advertisement
Service


Kino

Der Diktator

Komödie, Satire - USA, 2012

Regie: Larry Charles

Mit: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Megan Fox, John C. Reilly, Ben Kingsley

mehr Info zum Film