Sonntag, 27. Mai 2001

"Österreich ist in sehr fruchtbarer Umbruchsituation"

Nach 25 Jahren im Management des Mannesmann-Konzerns kehrt Peter Michaelis (55) für den ÖIAG-Vorstandsjob nach Österreich zurück. Im FORMAT-Interview spricht er über Politik und Farbenlehre, die ÖIAG unter Alfred Heinzel und seine Ziele.

FORMAT: Herr Michaelis, Sie waren dreißig Jahre lang im Ausland, wurden heute in den ÖIAG-Vorstand gewählt. Warum haben Sie diesen hochbrisanten Job angenommen?
Michaelis: Vordergründig, weil mein Job bei Mannesmann nach der feindlichen Übernahme durch Vodafone weg ist. Ich habe einige Angebote gehabt, aber ich finde es unheimlich reizvoll, meine Erfahrungen in die ÖIAG einzubringen. Ich war vierzehn Jahre lang operativ und dann strategisch bei Mannesmann tätig, einem Unternehmen, das ganz ähnlich wie die ÖIAG strukturiert ist. Das hier ist der ideale Job für mich. Außerdem glaube ich, daß die einzelnen ÖIAG-Unternehmen noch sehr viel Wertsteigerungspotential haben.

FORMAT: Sie meinen, es steckt mehr in den ÖIAG-Beteiligungen, als offensichtlich ist?
Michaelis: Absolut. In der OMV beispielsweise oder in der Telekom, aber auch in der Post steckt noch viel Potential. In Österreich gibt es einfach ein grundsätzliches Problem: die Unternehmensgröße.

FORMAT: Sie haben bisher in politikfernem Raum gearbeitet. Jetzt kommen Sie in einer sehr heiklen Phase in die ÖIAG; Ihrem Aufsichtsrat werden politisch motivierte Eingriffe – nach dem Motto „Rot raus, Blau rein“ – in die Unternehmen vorgeworfen. Wie werden Sie es damit halten?
Michaelis: Ich glaube, dass Österreich in einer sehr fruchtbaren Umbruchsituation ist. Vor dreißig Jahren hatte ich ein Jobangebot in Wien, aber ich wollte nicht in einem Umfeld arbeiten, in dem die Leistungskriterien stark von politischen Kriterien überlagert werden. Jetzt verändert sich das gerade sehr angenehm: Es wird der Freiraum für unternehmerisches Handeln geschaffen, den man braucht, um Ziele erreichen zu können. Das, was man jetzt spürt, sind hoffentlich nur die Nachwehen; weil in den Köpfen der Leute eben noch die alten Vorstellungen stecken.

FORMAT: Eine neue Farbenlehre nach der politischen Wende sehen Sie darin nicht?
Michaelis: Aber nein. Im ÖIAG-Aufsichtsrat sitzen Unternehmer, die nach unternehmerischen und nicht nach politischen Kriterien entscheiden. Das war für mich die Grundvoraussetzung dafür, dass ich den Job überhaupt angenommen habe.

Das ausführliche Interview mit dem neuen ÖIAG-Vorstand lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT.

27.5.2001 08:19