Sonntag, 27. Mai 2001

"Ein bisserl Pech war dabei"

André Rettberg, Libro-Vorstandsvorsitzender, gibt im FORMAT-Interview die Gründe für das Finanzdebakel des Konzerns sowie die Konsequenzen für die Firma und seine persönliche finanzielle Situation.

FORMAT: Herr Rettberg, Sie sehen müde aus. Wie geht es Ihnen?
Rettberg: Wir arbeiten viel und schlafen wenig. Ich kämpfe für die Firma, die Aktionäre und vor allem für die 3.000 Mitarbeiter. Dagegen ist es Wurscht, ob ich schlafe.

FORMAT: Wie laufen die Verhandlungen mit Investoren, die bei Libro einsteigen könnten und das dringend benötigte Geld mitbringen?
Rettberg: Zum Glück gibt es viele Interessenten. Mehr kann ich nicht sagen. Wir befinden uns in einer ganz sensiblen Verhandlungsphase.

FORMAT: Sind Sie optimistisch, daß eine Insolvenz bei Libro vermieden werden kann?
Rettberg: Ja, das bin ich. Daran dürfte niemand ein Interesse haben. Auch unsere Kunden stehen hinter uns. Noch einmal: Ich kämpfe mit der ganzen Kraft, die ich habe, für die Zukunft.

FORMAT: Wie ist dieser rapide Absturz von Libro zu erklären? Vor drei Monaten wurde noch Optimismus versprüht. Jetzt stehen Sie mit 1,2 Milliarden Verlust da.
Rettberg: Da ist vieles zusammengekommen. Die Umsatzeinbrüche im Jänner und Februar; Deutschland ist immer schlechter statt besser geworden; die Situation bei Lion. Dann kommt der Wirtschaftsprüfer und mahnt zur größeren Vorsicht. Und plötzlich bricht alles gleichzeitig auf. Wir haben das nicht früher gesehen.

FORMAT: Noch nie hat ein österreichisches Handelsunternehmen in Deutschland Erfolg gehabt. Oder kennen Sie ein Beispiel?
Rettberg: Im kleineren Stil Palmers. Aber Sie haben leider recht. Wir haben die Aufgabe unterschätzt. Wir haben unterschätzt, wie schwierig und teuer es ist, in Deutschland Fuß zu fassen. Rückblickend war das ein Fehler.

FORMAT: Das gilt wohl auch für das Internetabenteuer mit lion.cc, das gründlich daneben gegangen ist.
Rettberg: Nicht ganz, das müssen Sie differenziert sehen. Wir haben viel investiert und wollten uns über die Börse refinanzieren. Das geht nach dem Crash nicht mehr. Hätten wir das gewußt, dann wäre im Aufbau von Lion vieles anders passiert. In der damaligen Euphorie haben wir die Entwicklung nicht vorausgesehen – da waren wir beileibe nicht die einzigen. Es war eine Fehleinschätzung, okay, aber Lion hätte auch ein riesiger Erfolg werden können.

FORMAT: Pech gehabt?
Rettberg: Ein bisserl Pech war wirklich dabei.

Das ausführliche Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT.

27.5.2001 08:14