Risiko für US-Wirtschaft nicht gebannt

Die US-Wirtschaft könnte sich nach den Worten des Chefs der US-Notenbank, Alan Greenspan, stärker abschwächen als bisher angenommen und weitere Zinssenkungen nötig machen. "Die Zeit unterdurchschnittlichen Wachstums ist noch nicht vorbei."
Allerdings wies Greenspan in einer Rede vor Wirtschaftsvertretern am Donnerstag in New York auch darauf hin, dass die bisherigen fünf Zinssenkungen der Fed in diesem Jahr die Wirtschaft voraussichtlich bereits bis zum Jahresende deutlich stützen werden.
"Die Zeit unterdurchschnittlichen Wachstums ist noch nicht vorbei, und es ist nicht auszuschließen, dass die Abschwächung stärker ausfallen wird als als derzeit angenommen, was weitere (geld-)politische Antworten erfordern würde", sagte der Fed-Chef.
US-Analysten sahen in den Aussagen des Fed-Chefs überwiegend Signale für weitere Zinssenkungen. "Greenspan hat sehr deutlich gemacht, dass es weitere Abwärtsrisiken und Umstände für weitere Senkungen gibt", sagte etwa Dana Johnson von Banc One Capital Markets. Dem stimmte auch John Lipsky, Chefvolkswirt bei JP Morgan Chase & Co. zu: "Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Grund gibt, daran zu zweifeln, dass wir leicht eine weitere Zinssenkung um 50 Basispunkte im Juni sehen könnten." Die Spekulation über weitere Fed-Zinssenkungen führten nach Händlerangaben zu Gewinnen der US-Staatsanleihen in Asien. An den Devisenmärkten spielten die Aussagen nach Angaben von Händlern indes kaum eine Rolle.
Greenspan stellte auch die Wirkung der bisherigen Zinssenkungen der Fed heraus. "Wir sollten uns bewusst sein, dass unsere bisherigen vorausschauenden geldpolitischen Schritte eine substanzielle Unterstützung für eine Stärkung der Wirtschaft bis zum Jahresende bedeuten sollten."
Während die Unternehmen Fortschritte beim Abbau von Lagerbeständen gemacht hätten, könnte die anhaltende Schwäche bei Geschäftsinvestitionen und Unternehmensgewinnen zu Problemen mit dem labilen Verbrauchervertrauen führen, sagte der Fed-Chef weiter. Greenspan fügte zudem hinzu, dass der Inflationsdruck in den USA weiterhin eingedämmt sei.
Er verwies zudem darauf, dass die Energiepreise wohl nicht mehr weiter steigen würden und dass auf Grund des sich entspannenden Arbeitsmarktes mit nur noch gedämpften Lohnsteigerungen zu rechnen sei. Damit hätte die Fed nach Einschätzung von Analysten Spielraum für weitere Zinssenkungen, ohne einen Preisauftrieb zu riskieren.
Die US-Notenbank hatte zuletzt vor neun Tagen die Zinsen um einen halben Prozentpunkt gesenkt. Bei fünf Zinssenkung in diesem Jahr reduzierte die Fed den Schlüsselzins um insgesamt 2,5 Prozentpunkte auf aktuell 4,0 Prozent. Das nächste reguläre Treffen des für geldpolitische Beschlüsse zuständigen Offenmarktausschusses der US Notenbank (FOMC) ist am 26. und 27. Juni.
Der Fed-Chef wies darüber hinaus darauf hin, dass sich die Ausgaben privater Haushalte in den kommenden Quartalen angesichts des sich abschwächenden Wohlstandseffektes weiter verringern könnten. Die Fed hat die Verbraucherausgaben unter besonderer Beobachtung, weil diese für zwei Drittel der Wirtschaftsaktivität in den USA verantwortlich ist.
Spekulationen über Zentralbankintervention stützten Euro
Der Euro kostete Freitagfrüh 0,8604/08 Dollar nach einer Schlussnotiz bei 0,8565/70 Dollar am Donnerstag in New York. Händler in Asien sagten, anhaltendende Spekulationen über mögliche Zentralbankinterventionen hätten den Euro gestützt. Die Greenspan-Rede habe indes kaum eine Rolle bei der Kursentwicklung gespielt.
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