2.000 Arbeitsplätze bedroht

Die österreichische Industrie bekommt die internationale Konjunkturabschwächung deutlich zu spüren und erwartet für das laufende Jahr eine empfindliche Abschwächung des Produktionswachstums. Die Produktion wird heuer nur mehr um 3,5 Prozent nach 8,2 Prozent im Vorjahr wachsen.
Dies prognostiziert der Syndikus der Sektion Industrie in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Joachim Lamel, am Dienstag in einem Pressegespräch gemeinsam mit dem Vorstand des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI), Werner Clement.
Der Rückgang des Produktionszuwachses um mehr als die Hälfte wird auch zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen, fürchtet Lamel. Er gehe davon aus, dass rund ein halbes Prozent der insgesamt 410.000 Industriearbeitsplätze verloren gehen könnte.
Als "große Unbekannte" für die Einschätzung der weiteren weltwirtschaftlichen Entwicklung im laufenden Jahr nennt Lamel die US-Konjunktur. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht sogar von einem möglichen BIP-Wachstum von nur 1,5 Prozent aus, betonte IWI-Chef Clement. Dies wäre das schwächste Wachstum der vergangenen zehn Jahre. Obwohl die Entwicklung in den USA im ersten Quartal besser war als viele Beobachter befürchteten, so ist doch heuer mit einem massiven Konjunktureinbruch zu rechnen, sagte Lamel. Diese Einschätzung wird auch durch die laufenden Zinssenkungen der Fed bestätigt. Die jüngste vom 15. Mai dürfte wohl nicht die letzte gewesen sein.
Die Entwicklung in den USA wirkt sich stimmungsmäßig und real auf die Entwicklung in Europa aus. In der OECD ist heuer mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums von 3,6 auf 1,3 Prozent, in der EU von 3,3 auf 2,3 Prozent zu rechnen, betonte Lamel.
Entscheidend für das Exportland Österreich ist die Welthandelsentwicklung. Heuer wird sich das Wachstum des Welthandels von real 13 Prozent auf 4,5 Prozent abschwächen. Der österreichische Export könnte daher nach 11 Prozent im Vorjahr heuer real nur mehr um 6 Prozent wachsen. Die Halbierung des Exportzuwachses wird, so Lamel, sicher nicht ohne Auswirkung auf die Industrieproduktion bleiben. Dazu kommt, dass auch der private Konsum, die wesentliche Stütze der Inlandsnachfrage, heuer nur mehr um real 2 nach 2,7 Prozent expandieren wird.
Auf Grund der schwachen Konjunkturindikatoren der Industrie und der steigenden Inflation in den Industrieländern stellt Clement die Frage, ob "ein Quartal der Stagflation" bevorsteht. Das derzeitige Konjunkturbild ähnelt stark dem aus den siebziger Jahren bekannte Muster der Stagflation, so Clement. Die bestehende Diagnoseunsicherheit ist möglicherweise der Grund für den schwer interpretierbaren Kurs der EZB, wohingegen die amerikanische FED die Inflationskräfte schon als bewältigt betrachtet.
Magere Lohnrunden werden prognostiziert
Nachdem die Geldpolitik für die Eurozone von der EZB gemacht wird, steht Österreich als wirtschaftspolitisches Instrument nur die Einkommenspolitik zu Verfügung. Für den kommenden Herbst ist daher eine vorsichtige Lohnrunde notwendig.
Die Einschätzung der Produktionsentwicklung durch die Fachverbände spiegelt die Abkühlung der Konjunktur wider. Nur mehr 8 Fachverbände (Stahl, Papier, Nahrungsmittel, Metall, Maschinen, Fahrzeuge, Metallwaren, Bau) melden eine positive Entwicklung. Die Ledererzeugung meldet eine negative, alle übrigen Fachverbände eine stagnierende Produktion. Bei den Auftragseingängen melden 11 Fachverbände eine unveränderte Entwicklung, vier eine positive und fünf eine negative.
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