Montag, 21. Mai 2001

Gewichtung Österreichs halbiert: von 0,09 auf 0,04%

Die Neuberechnung der MSCI-Aktienindizes wird zulasten von Ländern wie Österreich und Deutschland gehen, die geringen Streubesitzanteil aufweisen. Dadurch ist zu befürchten, dass deutsche und österreichische Aktien in den nächsten Tagen unter Druck kommen.

Morgan Stanley Capital Interantional (MSCI) hat am Sonntag die Listen ihrer neuen MSCI Provisional Index Series veröffentlicht, die ab 31. Mai 2001 berechnet werden sollen. Dabei wird sich das Gewicht Österreichs im umgestellten MSCI Provisional ACWI Free Index von 0,09 auf 0,04 Prozent halbieren. Wie MSCI mitteilte, wurde die Zusammensetzung der Indizes unter Berücksichtigung des Anteils frei handelbarer Aktien eines Unternehmens (Freefloat) vorgenommen.

Ziel ist es gewesen, 85 Prozent der auf dem Freefloat basierenden Marktkapitalisierung jeder Branche jedes Landes abzubilden. Die kompletten Listen sind auf der Website von MSCI (www.msci.com) veröffentlicht.

Wie bereits im Dezember 2000 angekündigt, wird MSCI das neue Indexkonzept in zwei Schritten umsetzen, am 30. November 2001 und am 31. Mai 2002. MSCI weist darauf hin, dass es durch die Umstellung zu Neugewichtungen in den einzelnen Indizes kommen wird.

Der All Country World Index (ACWI) Free repräsentiert weltweit 49 entwickelte und Schwellenaktienmärkte. Die auf Freefloat-Basis berechnete Pro-forma-Kapitalisierung des MSCI Provisional ACWI Free Index beträgt 18,171 Bill. Dollar und ist damit geringer als die des MSCI Standard ACWI Free Index (18,7654 Bill. Dollar).

Größte Verlierer: Japan, Frankreich und Deutschland
Danach erhöht sich die Pro-forma-Gewichtung der USA und Großbritanniens im provisorischen ACWI Free Index auf 55,3 (49,1) Prozent bzw. auf 10,4 (9,3) Prozent. Größte Verlierer sind Japan, Frankreich und Deutschland mit Gewichtungen, die um jeweils 1,3, 1,2 und 1,0 Prozentpunkte unter der bisherigen im MSCI Standard ACWI Free Index liegt.

Entwickelte Märkte gewinnen, neue Märkte verlieren
Auch aus Branchensicht gibt es Veränderungen. Die Gewichtung des Sektors Technologie Hardware & Equipment steigt auf 11,5 (10,0) Prozent, während die des Bereiches Telekommunication Services auf 7,2 (8,2) Prozent zurückgeht. Die Gewichtung der entwickelten Märkte erhöht sich im provisorischen ACWI Free Index auf 96,9 Prozent von 95,0 Prozent im Standard ACWI Free Index. Entsprechend verringert sich das Gewicht der neuen Märkte auf 3,1 (5,0) Prozent.

Der MSCI EAFE (Europe, Australasia, FarEast) Index repräsentiert 21 entwickelte Aktienmärkte außerhalb Nordamerikas. Auf Pro-forma- Basis ergibt unter Zugrundelegung des Freefloat eine Kapitalisierung des provisorischen EAFE Index von 7,195 Bill. Dollar gegenüber den 8,230 Bill Dollar des MSCI Standard EAFE Index. Größter Pro-forma-Gewinner auf Länderseite ist hier wiederum Großbritannien mit einer Gewichtung von 26,2 (21,2) Prozent, während Frankreich auf 9,5 (11,2) Prozent, Deutschland auf 7,0 (8,5) Prozent und Italien auf 3,7 (4,6) Prozent verlieren.

Der Emerging Markets Free (EMF) Index repräsentiert 26 neue ("Schwellen")-Aktienmärkte. Nach Anwendung der neuen Berechnungsmethodik sinkt die Gesamtkapitalisierung hier auf 562 (947) Mrd USD. Größte Gewinner sind Südafrika mit 15,3 (11,0) Prozent und Südkorea mit 14,8 (11,5) Prozent. Deutlich niedriger gewichtet sind im provisorischen EMF Free Index Indien, Mexiko und Malaysia.

Analysten erwarten keine großen Marktreaktionen
Die neu veröffentlichten provisorischen Index-Serien werden nach Aussage von Analysten am Montag keine großen Bewegungen an den Kapitalmärkten hervorrufen.

Die vorgenommenen Umstellungen durch Zugrundelegung des Freefloat bei der Gewichtung sind mit ganz wenigen Ausnahmen erwartet worden, hieß es am Sonntag. Sollten die Leute nicht die ganze Zeit geschlafen haben und erst am Montag aufwachen, dürften es keine großen Schwankungen bei den Aktienkursen geben, meint Todd Kennedy, Derivatenstratege bei Merrill Lynch.

21.5.2001 11:55