Hitzfeld wandert auf Happels Spuren

Ottmar Hitzfeld war am Ende seiner Kräfte. "Die letzten Wochen, das war Raubbau. Jetzt müsste man eigentlich für ein halbes Jahr in ein Sanatorium", gestand der Vater des Erfolges ein.
Nur vier Tage nach dem Titel-Hattrick führte der 52-jährige Coach den deutschen Meister nach 25 Jahren endlich wieder zurück auf Europas Fußball-Thron.
"Der FC Bayern hat lange gebraucht. Jetzt fällt der Druck etwas weg, dass man unbedingt die Champions League gewinnen muss", atmete Hitzfeld erleichtert und zufrieden durch. Vier Jahre nach seinem Überraschungs-Triumph mit Borussia Dortmund gegen Juventus Turin hat Hitzfeld erreicht, was vor ihm nur dem legendären Wiener Ernst Happel mit Feyenoord Rotterdam (1970) und dem Hamburger SV (1983) gelungen war: Den Europapokal der Meister, die heutige Champions League, mit zwei verschiedenen Clubs zu gewinnen.
"Kaiserlicher" Selbstironie"
Während Hitzfeld schon um 4:00 Uhr und nicht einmal betrunken die Siegesfeier verließ, machten die glorreichen Sieger die Nacht zum Tag. Uli Hoeneß platzte fast vor Stolz auf die "beste Mannschaft der Welt", und Franz Beckenbauer ließ sich zu vorgerückter Stunde sogar zu "kaiserlicher" Selbstironie hinreißen. "Stefan Effenberg hat zu mir gesagt, als ich in die Kabine kam: 'An und für sich nicht so schlecht für eine Altherrenmannschaft.' Ich muss ihm zustimmen", erzählte der Bayern-Präsident.
Siegesfeier mit 750 Gästen
Ausgelassen klatschten und hüpften die nach dem 0:3-Debakel in Lyon noch vom Präsidenten als "Lehrbuben" abgewatschten Kicker und ließen sich Schampus und Bier schmecken. Samuel Kuffour begeisterte die 750 geladenen Gäste als Unterhaltungs-Chef und verkündete über das Saal-Mikrofon die Losung der erfolgreichsten Bayern-Saison seit 1974. "Gott ist immer für uns", sagte der gläubige Ghanaer, dessen Gebete am Mittwochabend erhört worden waren: "Ich habe immer wieder zu Gott gebetet: Keine weiteren Tränen."
Entschädigung für Endspiel-Drama '99
Zwei Jahre nach dem Endspiel-Drama gegen Manchester United (1:2) wurden die Münchner vollauf entschädigt für die Tränen von '99. "Diese Mannschaft ist im Moment die beste Fußball-Mannschaft der Welt, absolut. Da gibt es überhaupt keinen Zweifel", meinte Manager Uli Hoeneß, der freudetrunken von einer "Ära" schwärmte und nach 22 Jahren als Bayern-Manager sein Lebenswerk, aber auch seine Visionen erfüllt sieht. "Jetzt sind wir am Ende des Weges. Wir haben immer versucht, auf einer gesunden wirtschaftlichen Basis den maximalen sportlichen Erfolg zu erzielen. Und mit diesem Sieg ist der Beweis erbracht, dass es möglich ist", betonte der 49-Jährige.
Siegeswille war entscheidend
Die Siegermentalität gab im Finale den Ausschlag. "Wir wollten den Pott, uns konnte nichts aus der Bahn werfen. Wir hatten nie Zweifel und haben gezeigt, dass wir eine große Mannschaft sind", sagte Kapitän Stefan Effenberg. Das frühe 0:1 durch den Handelfmeter von Gaizka Mendieta (3.) steckten sie weg, ebenso den verschossenen Foulelfmeter von Mehmet Scholl (7.). Sogar der zweimalige Rückstand im Elfmeterschießen nach den Fehlschüssen von Paulo Sergio und Patrik Andersson blieb dank Kahn ohne negative Folgen.
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